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OÖGKK und Günther Weidlinger: Kids in Bewegung

Experten schlagen Alarm: Im Vergleich zu früher sind immer mehr Kinder übergewichtig, haben Koordinationsprobleme und Defizite in sportlichen Grundtechniken. Die OÖ Gebietskrankenkasse und der ehemalige Spitzensportler Günther Weidlinger setzen daher Maßnahmen für „bewegte“ Kids.

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Bereits seit zehn Jahren trainiert Günther Weidlinger mit Schülerinnen und Schülern in ganz Oberösterreich und hält Vorträge zum Thema Bewegung und Lernen. In den letzten Jahren betreute er dabei jährlich mehr als 4.000 Kinder in oberösterreichischen Schulen. „Dabei ist mir aufgefallen, dass Kinder koordinativ schlechter werden, tendenziell dicker werden und koordinative Grundtechniken wie einen Ball werfen und fangen beziehungsweise Schnurspringen weniger gut beherrschen als früher. Ein Land-Stadt-Gefälle ist ebenso zu erkennen.“

 

„Bewegung und Training wirken sich schon in jungen Jahren sehr positiv auf den Gesamtorganismus aus. Dies bestätigen auch Studien aus der Sportwissenschaft. So fördert Bewegung den Aufbau von Muskeln und Knochen und stärkt das Herz-Kreislauf- sowie das Immunsystem. Zudem ist sie wichtig für die Gehirnentwicklung. Denn das Er- und Verarbeiten vieler unterschiedlicher Bewegungsmuster verbessert die Bewegungsökonomie und die Arbeitsleistung des Gehirns“, sagt OÖGKK-Obmann Albert Maringer. Auch ist Bewegung wichtig für die motorische und sprachliche Entwicklung, da das Sprachzentrum im Gehirn eng mit der Steuerungszentrale für Feinmotorik verbunden ist.  

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Fürs Leben lernen

„Vor allem bei Bewegungsspielen im Mannschaften lernen Kinder und Jugendliche fürs Leben. In der Gruppe lernen sie Regeln einzuhalten, Fairness, aufeinander Rücksicht zu nehmen, Durchhaltevermögen und können mögliche Aggressionen über die Bewegung abbauen“, betont OÖGKK-Direktorin Andrea Wesenauer.

 

Nicht nur im Erwachsenenalter ist regelmäßige Bewegung wichtig, auch die tägliche Aktivität im Kindes- und Jugendalter spielt bei der motorischen und körperlichen Entwicklung eine entscheidende Rolle. Günther Weidlinger: „Bewegung wirkt auf die Anatomie, die Physiologie, das Erbgut und auf die Psyche. Während Sport natürlich vorrangig die Muskulatur, die Knochen, die Sehnen- und Bänderstruktur und das Herz-Kreislaufsystem trainiert, wirkt sich die Bewegung auch positiv auf die Gehirnentwicklung der Kinder aus. Durch die Bewegung und die einhergehende bessere Durchblutung kommt auch genug sauerstoff- und nährstoffreiches Blut ins Gehirn. Die Denkleistung kann so deutlich erhöht werden. Zudem wird beim Erlernen von neuen sportlichen Techniken und Übungen auch die Synapsenbildung angeregt, die ebenfalls die schulischen Leistungen positiv beeinflussen. Wichtig ist mir auch zu sagen, dass unsere Muskulatur bewegt gehört, denn sonst wird sie verkümmern und nicht mehr zur Verfügung stehen, wenn wir sie im Alter benötigen. ‚Use it or lose it‘ ist dabei die Devise! Kinder, die regelmäßig an sportlichen Wettkämpfen teilnehmen, egal in welcher Leistungskategorie, werden auch spielerisch auf schulische Prüfungen vorbereitet. Die Hemmschwelle vor derartigen Tests sinkt und ein Abrufen der perfekten Leistung ist deutlich wahrscheinlicher, weil die Kinder die Nervosität ablegen können. Da kann man als bestes Beispiel den OÖGKK-Juniormarathon erwähnen, bei dem 2.300 Kinder die Chance bekommen, gratis an einem Wettkampf teilzunehmen. Der Spaß und die Freude an der Bewegung steht hier im Mittelpunkt und nicht die erbrachte Leistung!“  

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Spaß an der Bewegung

Als Empfehlung für Kinder und Jugendliche gilt ein Trainingsumfang von drei bis fünf Mal pro Woche 45 bis 60 Minuten aktive Bewegung. Dies muss aber nicht bedeuten, dass diese Bewegungsminuten mit hochintensiver Belastung ausgefüllt werden müssen. Gerade im heranwachsenden Alter sollte der Spaß an der Bewegung durch unterschiedliche Aufgaben und Bewegungsspiele gefördert werden – egal ob im kleinen Kreis der Familie oder im organisierten Vereinssport.

 

Weidlinger: „Gerade der Sport im Verein ist ganz wichtig für Kinder und Jugendliche. Ich sage den Kindern in den Schulen immer: ‚Chef ist kein Lehrberuf! Ihr müsst lernen, Euch in ein bestehendes System einzugliedern und Euch in einer gewissen Hierarchie auch unterzuordnen‘. Spielerisch können das die Kinder im Sport lernen. Disziplin, Ehrgeiz, Pünktlichkeit, Einsatzbereitschaft und Hilfsbereitschaft lernt man im Sport besser als sonst wo. Wer zu spät zum Start oder zum Spiel kommt hat schon verloren, diese Eigenschaften sind aber im Berufsleben auch enorm wichtig und in der Wirtschaft gefragt. Sport bereitet die Kinder und Jugendlichen also auch vor auf das spätere Berufsleben.“ 

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Wichtiger Ausgleich

Von der täglichen Bewegung profitiert auch die psychische Gesundheit. Vor allem durch das viele Sitzen in der Schule fällt es Kindern und Jugendlichen oft schwer sich ausreichend zu bewegen. Wenn zudem Überforderungen beim Lernen oder zwischenmenschliche Konflikte Schwierigkeiten bereiten, ist ein Ausgleich noch wichtiger. Regelmäßige Bewegung unterstützt erheblich die Stressverarbeitung. Vor allem Ärger kann man sehr gut mit Bewegung kompensieren. Stressbewältigung ist immer die Kompensation von Ärger und Frust. Durch Bewegung wird der Körper besser mit Sauerstoff versorgt, die Muskeln und die Nervenzellen werden beansprucht und stimuliert. Das sorgt für Entspannung.

 

„Ein langer Spaziergang oder ein kurzer Wettlauf mit dem Hund kann schon helfen, Stress zu bewältigen. Wichtig ist, dass die Art der Bewegung Spaß macht“, so Albert Maringer.  

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Juniormarathon

„Dass die Jüngsten Spaß haben an der Bewegung, zeigen die vielen Anmeldungen zum OÖGKK-Juniormarathon. Dieser Bewerb war schon lange vor dem Nennschluss ausgebucht und wir mussten leider vielen bewegungshungrigen Kindern absagen, was mir persönlich sehr leid getan hat. Wichtig ist uns aber nicht die enorme Zahl an Teilnehmerinnen und Teilnehmern, sondern dass die Kinder gut betreut werden und nach dem Rennen glücklich sind“, betont Günther Weidlinger. 

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Angebote der OÖGKK

Andrea Wesenauer: „Die OÖGKK unterstützt nicht nur den Juniormarathon in Linz als Hauptpartnerin, sondern setzt viele Aktivitäten für mehr Bewegung – angefangen bei den Jüngsten im Rahmen von ‚von Anfang an‘ über Ratgeber bis hin zu schulischer Gesundheitsförderung und Vereinscoaching.“

 

Nachfolgend einige Beispiele: 

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„…von Anfang an!“

Der Grundstein für ein gesundes Leben wird bereits in frühester Kindheit gelegt. Die OÖGKK startete daher 2011 das Projekt „…von Anfang an!“, das sich an werdende und junge Eltern wendet. Von Beginn der Schwangerschaft bis zum 3. Geburtstag des Nachwuchses bietet die OÖGKK Kurse, Beratungen, regelmäßige Newsletter und umfassende Informationen an. Dabei ist natürlich auch Bewegung ein Thema – unter anderem beschreibt ein Beitrag, wie wichtig Bewegung für das Lernen ist und gibt Tipps für den Alltag. Rund 14.000 Eltern werden pro Jahr mit „von Anfang an“ informiert, begleitet, unterstützt.

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Schule in Form!

Mit dem Projekt „Schule in Form! Gemeinsam.gesund.lernen“ soll die Gesundheit und das Wohlbefinden aller am Schulleben Beteiligten gefördert werden. Die OÖGKK begleitet Projekte für die „Sekundarstufe I“ (also die Schulstufen 5 bis 8) im Rahmen von Workshops und stellt das Projektbudget für gesundheitsfördernde Maßnahmen zur Verfügung. Zur Zielgruppe zählen Schüler, Lehrkräfte, Schulpersonal und Eltern. Für die Förderung der Gesundheit von Schülern und Lehrern werden Maßnahmen zu Ernährung, Bewegung, Suchtprävention, psychosoziale Gesundheit und zur gesunden Gestaltung der Rahmenbedingungen entwickelt. Die Mitbestimmung der Schüler ist ein wesentlicher Bestandteil des dreijährigen Projekts.  In den kommenden Jahren soll das Pilotprojekt „Schule in Form“ in den Regelbetrieb übergehen. Kooperationspartner von „Schule in Form“ sind das Land OÖ, der Landesschulrat OÖ sowie das Institut für Gesundheitsplanung. 

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„Schule bewegt gestalten“,

„Schule bewegt gestalten“ ist ein innovatives Projekt der österreichischen Sozialversicherung. Ziel ist es, die körperliche, emotionale, kognitive und soziale Entwicklung der Kinder und Jugendlichen durch mehr Bewegung im Schulalltag zu fördern.  

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Kinderleicht! Familie groß in Form

Ein neues Angebot für Familien mit übergewichtigen oder adipösen Volksschulkindern. Bei Kinderleicht! geht es um praktische Tipps und Tricks für eine gesündere Ernährung und mehr Lust an Bewegung. Kinderleicht! ist ein Mitmach-Kurs, der auch spannende Hintergründe, wie unser Körper eigentlich funktioniert und wie unsere Psyche quasi „tickt“, liefert.  

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Ratgeber Bewegung

Erstmals erhielten alle jungen Sportlerinnen und Sportler beim heurigen Juniormarathon einen Ratgeber rund um das Thema Bewegung. Expertinnen und Experten beantworten nicht nur Fragen wie „Was lernen Kinder durch Bewegung?“, „Welche Ernährung ist wichtig?“ oder „Ab welchem Alter sind welche Sportarten geeignet?“, sondern es gibt auch jede Menge Tipps, Rezepte und Bewegungsspiele für die ganze Familie. Dieser Ratgeber soll in Zukunft breiter gestreut werden – etwa in Schulen –, um mehr Kinder und Jugendliche sowie deren Eltern zu erreichen. 

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Vereinscoaching

Vereinscoaching steht für Bildung, Entwicklung, Service, Professionalität und Innovation und ist in seiner Konzeption und Flexibilität bei der Umsetzung österreichweit einzigartig. Seit Herbst 2014 besteht eine Kooperation zwischen dem OÖ Fußballverband und der OÖGKK. Ziel ist es, das Thema Gesundheitsförderung auch in die Sportvereine zu integrieren. So wurden etwa im Jahr 2017 von den oberösterreichischen Fußballvereinen Workshops zu den Themen Interkulturelle Kompetenz, Prävention sexueller Gewalt, Suchtprävention, Mobbing und Aggressionsprävention sowie Ernährung und Trinkverhalten gebucht. Auch der Workshop „Move gentle – von der Einzelbewegung zum Bewegen“ steht auf dem Programm des Vereinscoachings. Ziel dieses Workshops ist es, Bewegung besser zu verstehen und Möglichkeiten zu entdecken, wie man theoretische Inhalte in die Trainingspraxis überführt und Zusammenhänge zwischen Bewegung, Leistungssteigerung und Prävention kennenlernt.

Mit den Angeboten des Vereinscoachings soll die Gesundheitskompetenz der Trainer, Funktionäre, Spieler und (Groß-)Eltern erhöht werden. Im Vorjahr unterstützte das Vereinscoaching mit 173 Fortbildungen mehr als 5.500 Teilnehmer (Fußballtrainer, Funktionäre, Spieler, Eltern) bei einer gesunden Vereinsführung. Aufgrund des großen Interesses gab es auch mit dem Eishockeyverein „EHC LIWEST Black Wings Linz“ erste Gespräche, um das Thema Gesundheitsförderung auch im Eishockey-Sport zu integrieren.    

 

Rückfragen:

Cornelia Schobesberger | Tel. 05 78 07 - 10 22 23 | cornelia.schobesberger@ooegkk.at

Zuletzt aktualisiert am 03. Mai 2018