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Neues unbürokratisches Modell: „Medizinischer Notfallkoffer“ für Sterbende

Ein in dieser Form österreichweit einzigartiges Modell für schwerkranke oder ster­bende Patienten, die zu Hause betreut werden, haben die OÖ Gebietskrankenkasse und der Landesverband für Hospiz entwickelt: Eine Art  „medizinischer Notfall­koffer“ stellt sicher, dass Medikamente oder Heilbehelfe unbürokratisch rund um die Uhr zur Verfügung stehen.

shutterstock_261426059_Hospiz.jpg

Logo_Hospiz.jpg Es ist ein Albtraum für alle Beteiligten: Ein Schwerkranker oder Sterbender braucht mitten in der Nacht oder am Wochenende dringend ein  spezielles Medikament, zum Beispiel zur Schmerzlinderung oder wegen akuter Atemnot. Das Medikament muss von der Pflegekraft, dem Hausarzt oder einem Verwandten irgendwo mühsam besorgt werden, sofern man es überhaupt auf die Schnelle bekommt. Wertvolle Zeit verrinnt. Für diese Akutfälle haben nun die OÖ Gebietskrankenkasse und der Landesverband für Hospiz ein neues Modell einer unbürokratischen Lösung mit einer Art „medizinischem Notfall­koffer“ entwickelt. „Eine Lösung, die sich ausschließlich am Patienten und seinem akuten Bedarf orientiert“, sagt dazu die Vorsitzende des Landesverbandes für Hospiz, die Palliativärztin Christina Grebe.

 

2.000 Patienten pro Jahr betreut

Die sogenannten „Mobilen Palliativteams“ (MPT) betreuen Schwerkranke und Sterbende daheim auf ihrem letzten Weg. Dies entspricht dem immer stärker werdenden Wunsch der Betroffenen, nach Möglichkeit nicht im Krankenhaus, sondern in den eigenen vier Wänden zu sterben. Qualifizierte Mitarbeiter der Mobilen Palliativteams machen dies möglich. Nahezu 2.000 Patientinnen und Patienten wurden allein im Jahr 2016 in Oberösterreich von den Mobilen Palliativteams betreut. Die Einsatzzentralen sind die landesweit vorhandenen MPT-Stützpunkte.


Diese Stützpunkte erhalten nun künftig eine Grundausstattung an Medikamenten und Heilbehelfen für Schwerkranke und Sterbende. In diesem „medizinischen Notfall­koffer“ befinden sich jene Medikamente und Heilbehelfe, die für diese spezielle Patientenklientel häufig gebraucht werden. „In diesen Notsituationen geht es, wie schon gesagt, häufig um Schmerzen, Atemnot, aber auch Blutungen, plötzlich auftretende Unruhe des Patienten und ähnliches mehr“, berichtet der Arzt Wolfgang Wiesmayr. Der Inhalt des „medizinischen Notfallkoffers“ wird von den Experten des Hospizverbandes und der Gebietskrankenkasse regelmäßig überprüft und auf den neuesten Stand gebracht.

 

Kein Rezept, keine Kostenbeteiligung

In einem Fall wie dem eingangs geschilderten können die Pflegekräfte gemeinsam mit dem Hausarzt oder dem Palliativmediziner sofort auf die notwendigen Medikamente oder Heilbehelfe – zum Beispiel spezielles Verbandsmaterial – zugreifen. Ohne Rezept samt entsprechender Gebühr, ohne chefärztliche Bewilligung und ohne Kostenbeteiligung. Der Inhalt des „Notfallkoffers“ steht im Akutfall allen Patientinnen und Patienten zur Verfügung.

 

Unbürokratisch und rasch

Früher mussten auch für Hospizpatienten, die zuhause betreut wurden, zunächst die Formalitäten erledigt werden: Ein Rezept wurde ausgestellt und in der Apotheke oder beim Bandagisten eingelöst. Womöglich musste auch noch eine Bewilligung eingeholt werden. Erst dann erhielt man das notwendige Medikament oder Hilfsmittel.

 

Notwendige Arzneien, Verbandsstoffe, Heilbehelfe und Hilfsmittel müssen aber auch im Rahmen der häuslichen Betreuung von Hospizpatienten sofort und rund um die Uhr zur Verfügung stehen – egal, ob an Wochenenden, in der Nacht oder an Feiertagen. Mit dem „medizinischen Notfallkoffer“ stehen die wichtigsten Produkte im Akutfall bereit.

 

Die Betreuung von schwerkranken Familienmitgliedern ist für die Angehörigen auch so schon extrem belastend. „Wir wollen nicht, dass sich Familienmitglieder, die ihre schwerkranken Angehörigen pflegen, auch noch mit Papierkram herumschlagen müssen. Unser Ziel war es daher, die Betroffenen unbürokratisch und rasch mit Medikamenten, Heilbehelfen und Hilfsmitteln wie Katheter, Verbandsstoffen, Spritzen oder Schleimabsauger zu versorgen“, betont OÖGKK-Obmann Albert Maringer.

 

Einfaches Bestellsystem

Die Lösung war daher eine Art „medizinischer Notfallkoffer“ mit der Basisausstattung, der immer griffbereit ist und von den Betreuern rechtzeitig aufgefüllt werden kann. Sie kontrollieren, ob alle wichtigen Mittel vorhanden sind. Fehlt etwas, wird es in eine Liste eingetragen und der OÖGKK übermittelt. „Wir bestellen die Artikel bei einer Firma, die sie direkt an den Hospizverband liefert. Die Formalitäten werden im Hintergrund erledigt“, sagt OÖGKK-Direktorin Andrea Wesenauer. „Wir als OÖGKK wollen, dass dieses Bestellsystem so einfach wie möglich funktioniert und dass die Betreuer im Akutfall jederzeit auf den Notfallkoffer zugreifen können.“

 

Die gute Kooperation mit dem Hospizverband besteht seit dem Jahr 2014, anfangs noch in sehr eingeschränkter Form. Das Pilotprojekt wurde schrittweise erweitert und der Notfallkoffer laufend um weitere Produkte ergänzt.

 

„Jederzeit handlungsfähig“

„Die Palliativteams sind nun jederzeit unbürokratisch handlungsfähig, die Angehörigen ersparen sich in einer Krisensituation das nervende Besorgen der notwendigen Medikamente“, beschreibt Diplomkrankenschwester Lisa Gegenleitner vom MPT-Stütz­punkt Vöcklabruck den Vorteil des neuen Modells in der täglichen Praxis.

 

Aus der Sicht des Landesverbandes für Hospiz ist dieses Modell nicht nur eine praxis­nahe, am Patienten orientierte und regionale Lösung, es ist nicht zuletzt auch ein weiterer Beitrag, durch weniger Krankenhausaufenthalte den stationären Bereich kostenmäßig zu entlasten.

  

Rückfragen:

 

Landesverband Hospiz OÖ

Mag. Dr. Werner Rohrhofer | Tel. 0676 – 70 26 224 | rohrhofer@liwest.at

 

OÖGKK Direktionsbüro und Kommunikation

Cornelia Schobesberger | Tel. 05 78 07 – 10 22 23 | cornelia.schobesberger@ooegkk.at

Zuletzt aktualisiert am 22. Juni 2017