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Zielsteuerung: Land OÖ und OÖGKK setzen Meilensteine bei Versorgung

Moderne Primärversorgung, spezielle Hilfe bei komplexen Erkrankungen oder eine schnellere Rettung bei Schlaganfällen: Ohne die gemeinsame „Zielsteuerung“ – ein Arbeitsvertrag zwischen Land OÖ und OÖGKK – würden wichtige Gesundheitsbereiche unkoordinierter laufen oder gar fehlen. Eine Bilanz der ersten vier Jahre einer intensiven, partnerschaftlichen Kooperation – anlässlich des Auftakts zur zweiten Zielsteuerungs-Periode.

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2013 einigten sich Land OÖ und OÖGKK auf eine gemeinsame „Zielsteuerung“ im Gesundheitsbereich. Hintergrund des Vertrages: Eine enge Zusammenarbeit für eine bessere, moderne und präzisere Gesundheitsversorgung der Bevölkerung. Zwar regelt das Gesetz die groben Zuständigkeiten – dem Land OÖ obliegen im Wesentlichen die Spitäler, der OÖGKK die niedergelassen Ärzte. Doch für eine wirksame Gesundheitsversorgung werden gemeinsame Ideen und übergreifende Lösungen immer notwendiger. Das bloße Zuschieben von Verantwortung heilt keinen einzigen Patienten.

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„Versorgung aus einem Guss“

Gesundheitslandesrätin Mag. Christine Haberlander und OÖGKK-Obmann Albert Maringer erklären den Sinn der Kooperation: „Unsere gemeinsame Zielsteuerung stellt den Patienten und seinen Behandlungsbedarf in den Mittelpunkt. Wir fragen uns zuerst, was zum Beispiel ein Diabetiker braucht und wie eine optimale Therapie als Ziel aussieht. Dann verknüpfen wir die Angebote von OÖGKK und Land OÖ soweit, bis für Patienten eine durchgängige Versorgung ‚aus einem Guss‘ entsteht.“


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Mittel „dreifach wirksam“ einsetzen

Oberösterreich besitzt de facto alle Ressourcen für eine exzellente Gesundheits­versorgung. Aber: Wenn die Organisation im Hintergrund hakt oder „Kompetenz­gerangel“ Platz greift, bleibt das beste Angebot wirkungslos und unerreichbar. Besonders für Patienten mit komplexen und chronischen Erkrankungen, die verschiedene Ärzte, Spitäler, Therapeuten und Betreuungsstellen benötigen. OÖGKK-Direktorin Mag. Andrea Wesenauer: „Unser gemeinsames Ziel ist es, dass die Mittel dreifach wirksam einge­setzt werden: Jede Behandlung erfolgt zur richtigen Zeit, beim richtigen Spezialisten, in der richtigen Qualität. So vermeiden wir Fehlbehandlungen, die für den Patienten nutzlos sind und obendrein dem System unwiederbringlich Geldmittel entziehen, die anderswo dringend für wirksame Therapien benötigt werden. Mit der Zielsteuerung Gesundheit setzen wir diese Orientierung konsequent und Schritt für Schritt um.“

 

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Wichtige Meilensteine dank Zielsteuerung

Die gemeinsame Landeszielsteuerung Gesundheit hat in Oberösterreich nicht nur viele neue Präventionsangebote hervorgebracht. Auch im kurativen Bereich wurden seit 2013 zahlreiche Meilensteine gesetzt: Darunter große und bekannte „Würfe“ wie die Einführung der Primärversorgung in Oberösterreich, aber auch viele kleinere neue Leistungen für komplexe Erkrankungen oder spezielle Zielgruppen.

 

  • Primärversorgung: Pionierleistungen in Oberösterreich

Österreichs erstes Primärversorgungszentrum im Vollausbau startete 2017 in Enns. Ärzte und viele andere Gesundheitsberufe arbeiten dort erstmals Hand in Hand, unter einem Dach für die Gesundheit der regionalen Bevölkerung. Möglich wurde das bundesweit einzigartige Leuchtturmprojekt durch eine zielorientierte und partnerschaftliche  Zusammenarbeit von Land OÖ, OÖGKK, Ärztekammer für OÖ und Stadt Enns. Alle wichtigen Phasen – von der Planung über die Konzeption – wurden gemeinsam gestaltet und ein fairer Finanzierungsweg gefunden.  Während das restliche Österreich noch über Primärversorgung streitet, ist Oberösterreich schon viele Schritte voraus: Das nächste Primärversorgungszentrum für Haslach ist gerade im Aufbau, weitere Standorte sind in Planung und werden demnächst der Öffentlichkeit vorgestellt.


  • Neue Ambulanz für Menschen mit Beeinträchtigung

Für Menschen mit Beeinträchtigung gibt es bislang keine eigene spezielle Versor­gungsform in Oberösterreich. Daher starten Land OÖ und OÖGKK (im Namen der Sozialversicherung) ab Juli 2017 ein Pilotprojekt im Linzer Krankenhaus der Barmherzigen Brüder. Zielgruppe sind Menschen mit kognitiver und mehrfacher Beeinträchtigung. Die Ambulanz bietet eine Diagnose und Therapie spezieller Störungsbilder von Menschen mit Beeinträchtigung. Dazu gibt es eine enge Kooperation der Abteilungen Innere Medizin, Chirurgie, Radiologie, Gynäkologie, Neurologie und weiteren erforderlichen Fachrichtungen im Krankenhaus. Durch das Angebot „aus einer Hand“ entfallen für Betroffene  belastende Wartezeiten bei unterschiedlichen Behandlungseinrichtungen. Zudem werden hier fachübergreifende Untersuchungen im Rahmen einer Kurznarkose möglich.

 

  • Braunauer Psychosemodul

Das Psychose-Modul des Braunauer Krankenhauses St. Josef ist ein integriert ambulant-stationäres Behandlungsangebot für Patienten, die an einer Schizo­phrenie erkrankt sind. Ziel: Schaffung eines zusätzlichen ambulanten Therapiebausteines zur Stabilisierung der Patienten, auch um immer wieder­kehrende stationäre Einweisungen zu reduzieren, Verbesserung der Lebens­qualität der Patienten, Verbesserung der Teilnahme der Patienten am gesellschaftlichen Leben. Das Braunauer Psychose-Modul ist ein vernetztes Angebot in enger Kooperation mit pro mente Oberösterreich.

 

  • Sozialpsychiatrisches Ambulanzzentrum („SPAZ“)

Am Neuromed Campus des Linzer Kepleruniversitätsklinikums ist ein sozialpsychiatrisches Ambulanzzentrum entstanden. Ziel: Das neue Angebot soll eine rasche Erstversorgung bieten, überbelegte Stationen vermeiden und im Bedarfsfall an außerstationäre Versorgungsangebote weiterleiten. Damit  verbessert das Ambulanzzentrum die regionale Versorgungsqualität erheblich.

 

  • Neurolinguistische Ambulanz für Sprachstörungen

Mit dem Therapiezentrum für Sprachneurologie im Linzer Krankenhaus der Barmherzigen Brüder wurde das Therapieangebot für Kinder mit gesamthafter Beeinträchtigung erweitert. Das Zentrum bietet Hilfe für Kinder mit schweren rezeptiven und expressiven Sprachentwicklungsstörungen, verbalen Entwicklungs­dyspraxien, Sprachpraxien, schweren Störungen des Redeflusses und schweren Interaktionsstörungen. 

  • Neurolinguistische Ambulanz für Autismus

Das Autismus-Kompetenzzentrum im Linzer Krankenhaus der Barmherzigen Brüder unterstützt Menschen mit Autismus durch diagnostische, therapeutische, pädagogische, psychologische und soziale Angebote. Die Wissenschaft scheitert derzeit noch an einer vollständigen Therapie von Autismus. Jedoch können möglichst frühe und intensive Therapien die Fähigkeiten der betroffenen Personen verbessern und so die Lebensqualität der Betroffenen und Angehörigen entschieden erhöhen. Das Team des Autismus-Kompetenzzentrums bei den Barmherzigen Brüdern bietet bereits frühe Interventionen bei Kindern zwischen zwei und fünf Jahren an. Ein mobiles Team ermöglicht zudem die Betreuung der Kinder und Eltern in der gewohnten Wohnumgebung.

 

  • Multidisziplinäres Versorgungszentrum (MVZ) für Essstörungen

Hierbei handelt es sich um ein ambulantes Angebot für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, welches durch die Zusammenarbeit unterschiedlicher Expertinnen und Experten gekennzeichnet ist. Das MVZ ist ein auf Essstörungen spezialisiertes, niederschwelliges Versorgungsangebot des niedergelassenen Bereichs, das im Rahmen des Oö. Gesundheits- und Sozialplans zu Essstörungen entstanden ist. Das Versorgungszentrum befindet sich im Kepler Universitätsklinikum - Neuromed Campus. Die Ambulanz ist Teil des Departments für Psychosomatik, wodurch eine Nutzung bereits vorhandener Strukturen und Ressourcen möglich ist.

 

  • Kinder- und Jugendkompetenzzentren („KIJUK“)

Neu entstanden an den Innviertler Standorten Pramet, Andorf und Mauerkirchen ist eine interdisziplinäre Versorgung für Kinder und Jugendliche mit Auffälligkeiten im emotionalen, kognitiven, sozialen bzw. Verhaltensbereich sowie eine intensive Unterstützung für die Eltern. Betreiber ist die Gesellschaft für ganzheitliche Förderung und Therapie GmbH. Ein zusätzliches KIJUK ist 2016 in St. Isidor bei Linz entstanden, betrieben von der Caritas. Als Anlaufstelle für die Eltern betroffener Kinder bündelt es – kostenlos – verschiedene medizinische, therapeutische und pädagogische Leistungen sowie weitere Beratungs- und Unterstützungsangebote für die ganze Familie.

 

  • Kinderversorgung mit dem Krankenhaus Passau

Als zusätzliches Service für die Bevölkerung im Bezirk Schärding wurde eine neue Vereinbarung zwischen Land OÖ und der OÖGKK (namens der Sozialversicherung) ausverhandelt. Kinder aus dem Bezirk Schärding können somit auch bei planbaren Eingriffen jederzeit an der Kinderklinik in Passau  behandelt werden. Damit sind wir dem Wunsch vieler Eltern aus der Region  nachgekommen, ihre Kinder so wohnortnahe wie möglich bestens medizinisch  versorgt zu wissen.

 

  • St. Barbara Hospiz im Krankenhaus der Elisabethinen

2016 wurde das erste stationäre Hospiz in Oberösterreich feierlich eröffnet. Damit wird eine Lücke in der Versorgung schwerstkranker und sterbender Menschen in Oberösterreich geschlossen. Das Gemeinschaftsprojekt von der Vinzenz Gruppe (Krankenhausbetreiber), der Krankenhäuser der Elisabethinen und Barmherzigen Brüder sowie des OÖ Roten Kreuzes wird überwiegend von Land OÖ und OÖGKK gemeinsam finanziert. Damit können Menschen mit schwersten unheil­baren Krankheiten die verbleibende Zeit in Würde, Geborgenheit und im Kreis der Familie verbringen.  

  • Herzschwäche: integrierte Versorgung

Neue Wege der Therapie für Menschen mit Herzschwäche (Herzinsuffizienz): OÖGKK und Land OÖ starten im Jänner 2017 eine „integrierte Versorgung“. Dabei arbeiten niedergelassene Ärzte, Spitäler und Pflegedienste noch enger zusammen. Die Betreuung aus einem Guss bringt Patienten lückenlose Therapien. Und ein „Herzinsuffizienz-Tagebuch“ fördert einen sicheren Umgang mit der Erkrankung. Das neue Angebot ist als Pilotprojekt in Linz Stadt, Linz Land und Rohrbach gestartet.

 

  • Schlaganfall: integrierte Versorgung

Bei einem Schlaganfall zählt jede Sekunde! Rasches Erkennen durch Laien, richtiges  Handeln und eine schnelle Rettungskette sind erfolgskritisch. Vor diesen Hintergründen kooperieren beinahe alle oberösterreichischen Gesundheits-dienstleister im Projekt „integrierte Versorgung Schlaganfall“ – darunter Rotes Kreuz,  Arbeitersamariterbund, 16 spezialisierte Spitäler, Ärztekammer für OÖ, drei Reha-Zentren und die ambulanten Reha-Einrichtungen der OÖGKK. Durch gemeinsame Aufklärung und Optimierung der Rettungs- und Versorgungspläne ist es gelungen, dass Schlaganfälle rascher erkannt, früher behandelt und besser therapiert werden.   

 

Maringer: „Das Beispiel Schlaganfall zeigt den Sinn der gemeinsamen Zielsteuerung besonders drastisch auf: Es sind mehrere Player in verschiedenen Positionen am Feld. Aber nur durch ein perfektes Pass-Spiel gewinnen wir an Tempo und Präzision. Nur so bilden wir eine rasche Versorgungsmannschaft.“

 

  • Diabetes im Griff: Therapie aktiv

Etwa 70.000 Oberösterreicher leiden an Diabetes Mellitus (Typ 2). Auch wenn die Erkrankung als unheilbar gilt: Wer einige Dinge in seinem normalen Tagesablauf beachtet, kann nahezu beschwerdefrei leben – auch mit Diabetes. Dafür steht  das kontinuierliche Therapieprogramm  „Therapie Aktiv“. Land OÖ, OÖGKK und die Ärztekammer haben dazu gemeinsam ein Betreuungskonzept für Diabetiker erstellt. Je nach Phase und Schwere der persönlichen Erkrankung wird der Patient an die richtige Betreuungsstelle gelotst. Das ist im Regelfall der Hausarzt, kann aber auch ein Spital oder eine spezialisierte Therapieeinrichtung (Reha) sein. Aktuell nehmen bereits rund 14.000 Oberösterreicherinnen und Oberösterreicher das Programm in Anspruch. Seit 2014 wird schwerpunktmäßig an der Erhöhung der Teilnehmerraten bei Ärzten und Patienten gearbeitet.

 

  • Demenz: integrierte Versorgung

Die größten Gegner für einen demenziell erkrankten Menschen heißen  Tabuisierung, Verdrängung und Zuwarten. Die „aktion demenz leben“ von OÖGKK und Land Oberösterreich stellt eine Reihe von Angeboten rund um das Thema Demenz bereit – als Teil einer integrierten Demenzversorgung. Informationen unterstützen Betroffene und ihre Angehörigen, bei Anzeichen auf Demenz die richtigen Schritte zu setzen. Und vor allem: Offen gestaltete Beratungsstellen im ganzen Land machen den ersten Schritt leichter, qualifizierte Hilfe zu suchen. 


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Fazit und Ausblick: Weiterhin „zielsteuern“

 

Land OÖ und OÖGKK ziehen eine sehr positive Bilanz über die ersten vier Jahre gemeinsamer Gesundheits-Zielsteuerung. Haberlander und Maringer unisono: „Durch die Zielsteuerung haben wir die gesamte Versorgung gemeinsam im Blick. Uns gelingen verknüpfte Analysen von Angebot, Auslastung und Wartezeit bei Spitälern und niedergelassenen Ärzten. Und vor allem kommen wir auch gemeinsam ins Handeln, wenn neuartige Versorgungsformen entwickelt und bereitgestellt werden müssen. Daran misst uns letztlich die Bevölkerung beziehungsweise die Versichertengemeinschaft in Oberösterreich. Wir sind überzeugt: Der demographische Wandel und der medizinische Fortschritt werden auch in der neuen Arbeitsperiode viele Herausforderungen bringen. Mit unserem nunmehr bewährten Zielsteuerungssystem und unserer guten Kooperationskultur in Oberösterreich, die wir darauf aufbauend entwickelt haben, sind wir optimal dafür gerüstet.“ 

 

Über die vielen weiteren Meilensteine der Zielsteuerung in den Bereichen Gesundheitsförderung und Prävention informieren Land OÖ und OÖGKK demnächst in einer eigenen Pressekonferenz.

   

Rückfragen:

 

Pressesprecherin Landesrätin Mag. Christine Haberlander

Karin Mühlberger | Tel. 0732 / 7720 - 17110 | karin.muehlberger@ooe.gv.at

 

OÖGKK Direktionsbüro und Kommunikation

Mag. Gregor Smejkal | Tel. 05 78 07 – 10 22 14 | gregor.smejkal@ooegkk.at

  

Zuletzt aktualisiert am 02. Juni 2017