DRUCKEN

Zuviel Medizin: Was nicht hilft, das schadet allen!

„Hilft´s nicht, so schadet´s nicht“, meint der Volksmund. In der Medizin ist das ein fataler Irrtum: Denn jede unnötige Behandlung bringt keine zusätzliche Besserung der Gesundheit – dafür neue Risiken und Gefahren. Der Schaden trifft Patienten, Krankenkasse und Ärzte, so das Fazit beim 6. OÖGKK-Gesundheitsempfang.  

foto_gesundheitsempfang_klein.jpg

Die Moral des Abends brachte OÖGKK-Obmann Albert Maringer auf den Punkt. „Wir haben eine Fülle an Gesundheitsleistungen, Therapien und Medikamenten. Wertvoll sind die Leistungen aber nur dann, wenn sie für den Patienten wirksam sind. Was nicht wirkt und die Gesundheit nicht verbessert, ist kein ‚Plus‘ – sondern wertlos bis riskant.“ Laut OECD-Studie wären 20 % aller Gesundheitsausgaben an anderer Stelle besser angelegt.

 

Schäden für alle 

Nicht notwendige Behandlungen sind aber auch für Ärzte und Krankenversicherung ein Problem, wie OÖGKK-Direktorin Andrea Wesenauer zusammenfasst: „Die Ärzte verlieren Zeit, ohne aber den Patienten zu heilen. Zeit, die anderswo für wirkungsvolle Einsätze fehlt. Zudem haben wir Krankenversicherer das Problem, jeden Euro nur einmal ausgeben zu können. Fließt dieser Euro in eine wirkungslose und vermeidbare  Maßnahme, fehlt er anderswo für wirklich notwendige Behandlungen.“

 

Phänomen verstehen – statt Schuldzuweisung 

Kein Patient, Arzt oder Krankenversicherer wünscht sich Überversorgung. Jedoch tragen alle zum Phänomen bei – wenn auch unbewusst. Daher ist das Problem auch nur gemeinsam lösbar – ohne Schuldzuweisungen. Ansätze der geladenen Experten:

 

  • Andrea Siebenhofer-Kroitzsch, Institutsleiterin für Allgemeinmedizin an der MedUni Graz: „Überversorgung ist ein globales Problem, besonders in Industriestaaten. Aus einer deutschen Studie unter 4.000 Internisten wissen wir, was Ärzte in die Überversorgung treibt: Die Angst vor Behandlungsfehlern, der Druck der Patienten, Umsatzziele, wenig Zeit und schlecht aufbereitete Infos über Therapien. Mein Appell ans Gesundheitssystem: Ärzte mit mehr objektiven Infos versorgen, die zu raschen und richtigen Entscheidungen befähigen.“

 

  • Patientenanwalt Gerald Bachinger: „Wir haben in Österreich ein gutes Gesundheitssystem. Aber wir dürfen nicht vergessen: Es gibt auch Über-, Unter- und Fehlversorgung. Ein Problem sind Patienten, die glauben, ihnen werde nur geholfen, wenn der Arzt viel verschreibt. Dabei sollte uns allen bewusst sein: Überversorgung bedeutet die Verschwendung wertvoller Ressourcen. Diese Ressourcen fehlen aber dann anderswo und lösen vielleicht einen Mangel aus.“
Zuletzt aktualisiert am 06. April 2017