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Interview mit Bundesminister Alois Stöger


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Warum ist es aus Ihrer Sicht sinnvoll, in Gesundheitsförderung und Prävention zu investieren?

Die demographischen Entwicklungen in wohlhabenderen Ländern wie Österreich bringen neben der steigenden Lebenserwartung auch ein erhöhtes Maß an Krankheitsrisiken und Behandlungsbedarf mit sich. Der überwiegende Teil der heute dominierenden chronischen Erkrankungen, die unser Gesundheitssystem finanziell stark belasten,
sind lebensstilbedingt. Viele dieser Erkrankungen können durch eine Stärkung der Gesundheitsressourcen sowie durch die Reduktion bekannter Risikofaktoren abgewendet, andere in einer frühen Krankheitsphase erkannt und in ihrem Verlauf abgemildert
werden. Prävention und Gesundheitsförderung zielen darauf ab, sowohl Lebensstil und Gesundheitsverhalten, als auch die physische und soziale Umwelt positiv zu gestalten. Man geht davon aus, dass gesundheitsfördernde und präventive Aktivitäten z. B. in den
Bereichen Ernährung, Bewegung, Bildung, Arbeit oder Umwelt einen höheren Stellenwert für die Erhaltung und Verbesserung des Gesundheitszustandes haben als medizinisch-kurative Leistungen. Erfolgreiche Gesundheitsförderung und Prävention kann nicht nur das Leben verlängern, sondern auch die Lebensqualität und Lebensfreude
erhöhen. Sie kann ein produktives und aktives Leben ermöglichen und die soziale Integration verbessern.

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Inwiefern ist, wenn es um Lebensstil und Gesundheitsverhalten geht, auch die Politik gefragt?

Eine bewusste Lebensführung und ein sinnvolles Gesundheitsverhalten sind wichtige Elemente für die Erlangung einer hohen Lebensqualität. Jede/r Einzelne ist daher aufgerufen,im Rahmen ihrer/seiner Möglichkeiten für die eigene Gesundheit Sorge zu tragen. Allerdings steht die Gesundheit nicht vollständig unter der Kontrolle des Individuums. Es braucht Anreize, Programme und Hilfestellungen von Expert/inn/en, die es den Menschen Schritt für Schritt ermöglichen, die Verantwortung für ihre Gesundheit zu übernehmen. Und es benötigt Rahmenbedingungen, die die Entscheidungen für die gesünderen Alternativen erleichtern. Speziell hier ist auch die Politik gefordert. Prävention und Gesundheitsförderung müssen im Alltagsleben vor Ort ansetzen und Angebote enthalten, die unter realen Lebensbedingungen auch angenommen werden.

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Im Bereich der Gesundheitsförderung und Primärprävention wird immer wieder kritisiert, dass es viele engagierte Einzelaktivitäten gibt, die aber untereinander nicht abgestimmt sind. Ist eine Verbesser

Eine Verbesserung ist inzwischen bereits gelungen. Erstmals gibt es eine österreichweit koordinierte Vorsorgestrategie, die die Mittel qualitätsgesichert und gezielt einsetzt. Die Bundesgesundheitsagentur stellt dafür von Mitte 2011 bis Ende 2013 insgesamt zehn Millionen Euro für gezielte und nachhaltige Vorsorgemaßnahmen zum Thema Ernährung bereit. Ziel ist es, die gesündere Wahl beim Essen zur leichteren Entscheidung zu machen. Das Besondere ist – das streiche ich nochmals heraus - dass alle wichtigen Partner im Gesundheitswesen – Bund, Länder und Krankenkassen – an einem gemeinsamen Strang ziehen und für die Umsetzung sorgen. Neben der individuellen Beratung von Schwangeren und Eltern von Kleinkindern wird im Rahmen der österreichweiten „Vorsorgestrategie Ernährung“ ein Schwerpunkt darauf gelegt, die bestehende Verpflegungssituation in unterschiedlichen Lebensbereichen zu verbessern. Dazu werden in allen Bundesländern zahlreiche langfristige Initiativen, wie z. B. Beratungen und Workshops in Kindergärten, Schulen sowie anderen Settings und gezielte Maßnahmen zur Optimierung des Angebots in der Gemeinschaftsverpflegung, durchgeführt. Weitere Maßnahmen, wie z. B. die Erstellung von Empfehlungen und Leitlinien durch Expertinnen und Experten, runden die Vorsorgestrategie ab.

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Wie stellen Sie sicher, dass qualitätsgesicherte Maßnahmen umgesetzt werden, die auch nachhaltig Wirkung zeigen?

Es kommen nur solche Projekte zur Umsetzung, die bereits erprobt und evaluiert sind. Ein starker Fokus der gesetzten Maßnahmen liegt zudem in der Verhältnisprävention. Dabei wird ein ganz besonderes Augenmerk darauf gelegt, dass auch die Rahmenbedingungen so verändert werden, dass die gesündere Wahl die leichtere wird. Wenn in den Speiseplänen von Kindergärten, Schulen und anderen Gemeinschaftsküchen die gesundheitsförderlichen Angebote nicht die Ausnahme, sondern die Regel sind, haben alle Kinder die gleiche Chance, dass aus ihnen gesunde Erwachsene werden.

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Wieso ist es sinnvoll, beim Thema Ernährung anzusetzen?

Eine ausgewogene und gesundheitsförderliche Ernährungsweise spielt eine zentrale Rolle bei der Prävention von ernährungsassoziierten Erkrankungen wie Herzkreislaufleiden, bestimmten Krebserkrankungen oder Diabetes, die auch in Österreich die Erkrankungsstatistiken anführen. Durch eine Verbesserung der Ernährung können zahlreiche Jahre in Gesundheit gewonnen werden. Daher habe ich 2010 auch den Nationalen Aktionsplan Ernährung (NAP.e) initiiert.

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Wenn ich Sie richtig verstanden habe, fokussieren viele der Maßnahmen auf die Schwangerschaft und die frühe Kindheit. Wieso ist das so?

Mütter haben schon in der Schwangerschaft Einfluss auf das spätere Essverhalten ihrer Kinder. Studien haben gezeigt: was Frauen während der Schwangerschaft essen, prägt die Geschmacksvorlieben ihrer Kinder. Wichtige Grundsteine unseres Ernährungsverhaltens wie z. B. was uns schmeckt und was wir weniger gerne essen, wurden bereits in unserer frühen Kindheit gelegt. Umso wichtiger ist es, mit gesundheitsförderlichen Maßnahmen bereits in diesen sensiblen Lebensphasen anzusetzen. Sie ermöglichen einen gesunden Start ins Leben und können krankmachende Verhaltensweisen und damit vielen Krankheiten im späteren Leben effizient vorbeugen.

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Was genau ist denn in der Schwangerschaft und Kindheit nun geplant im Rahmen der Vorsorgemittel-Initiativen in den nächsten 2,5 Jahren?

Seitens der Gebietskrankenkassen werden österreichweit Ernährungsberatungsworkshops für Schwangere und junge Eltern angeboten, in Kärnten, Salzburg, Steiermark und Tirol in Kooperation mit den Ländern. Die Workshops basieren auf einem einheitlichen Konzept und werden über den Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger vernetzt.
Wien, Oberösterreich und Tirol setzen Maßnahmen zur Optimierung der Gemeinschaftsverpflegung in Kindergärten, flankiert von verhaltenspräventiven Maßnahmen und einer Schulung der Kindergartenpädagoginnen/-pädagogen. Das Burgenland setzt im Bereich Kindergarten primär auf Verhaltensprävention. Steiermark und Niederösterreich streben über Kindergärten hinaus eine Optimierung der Gemeinschaftsverpflegung auch in anderen Settings an. Vorarlberg widmet sich dem Setting Schulen, ebenso das BMG in seiner Hauptinitiative – wir konzentrieren uns auf die Buffets in den Schulen.

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Welche Initiativen setzen Sie mit den Vorsorgemitteln seitens des Bundesministeriums für Gesundheit?

Ich bringe die Mittel einerseits im Rahmen des Nationalen Aktionsplanes Ernährung (NAP.e) und andererseits im Rahmen der Kindergesundheitsstrategie zum Einsatz. Zentrale Maßnahme ist eine österreichweite Initiative zur Optimierung der Schulverpflegung mit Schwerpunkt Schulbuffets. Weiters ist es mir wichtig, die Initiative „Baby Friendly Hospitals“ zu unterstützen, Empfehlungen für die Ernährung von Kindern im Alter von ein bis drei Jahren zu entwickeln und wissenschaftliche Aufbereitungen für Empfehlungen zur „Ernährung im Alter in verschiedenen Settings“ zu erstellen. Im Bereich der Frühen Hilfen werden Grundlagen erarbeitet, die der Aufbereitung der internationalen Evidenz und Erfahrungen sowie der Erhebung der Ausgangsbasis in Österreich dienen und die Vernetzung der zentralen Akteur/inn/en vorantreiben sollen.

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Was genau ist im Bereich der Schulbuffets geplant?

Gesundheitsförderung durch Ernährung wird dann erreicht, wenn das Speisen- und Getränke-Angebot „stimmt“ und gesundheitsförderliche Angebote in den Lebenswelten der Menschen für diese auch zugänglich und attraktiv sind. Die Verpflegung in Schulen spielt hier eine wichtige Rolle. Mein Ziel ist daher eine nachhaltige Verbesserung und Qualitätssicherung des Angebots an Schulbuffets. Primäre Zielgruppe der Aktivitäten sind die Buffetbetreiber/innen. Diese werden praxisorientiert und individuell bei der gesünderen Ausgestaltung ihres Sortiments unterstützt. Dazu sind ab Anfang 2012 mobile Berater/innenteams im Einsatz. Die Referenz bilden ernährungswissenschaftliche Empfehlungen, wie sie in der „Leitlinie Schulbuffet“ festgehalten sind. Im Laufe des Vorhabens sollen durch zielgruppengerechte Aktivitäten auch die Schüler/innen einbezogen werden. Eine flexible Einbindung der Eltern bzw. der Schulen ist ebenso angedacht. In einem ersten Schritt erheben wir aktuell Daten über die Anzahl von Schulbuffets. Eine Homepage wird als Kommunikationsdrehscheibe mit allen Informationen und interaktiven Elementen dienen. Es wird ein Handbuch für Buffetbetreiber/innen zur praktischen Umsetzung der „Leitlinie Schulbuffet“ geben ebenso wie Workshops & Schulungen für Buffetbetreiber/innen, Schulungsvideos und eine Toolbox mit unterschiedlichen Unterstützungshilfen für Marketingmaßnahmen. Zielgruppenspezifische
Informationsmaterialien werden aufbereitet und –veranstaltungen durchgeführt werden. Weiters gibt es eine Hotline. Zentral werden auch Netzwerk- und Strukturaufbau sein.

Herzlichen Dank für das Interview!

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Zuletzt aktualisiert am 11. März 2015