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Topfenwickel und andere Hausmittel


Bestehen im Alter mehrere Krankheitsbilder, gegen die mehr als fünf Medikamente verordnet sind, spricht der Mediziner von Polypharmazie. Kommen zu den bestehenden Leiden noch akute, kurzfristige Beschwerden – wie etwa eine Verkühlung oder Magenverstimmung – kann es sich bezahlt machen, zu Hausmitteln zu greifen, anstatt ein weiteres Medikament einzunehmen.

Gegen jede Krankheit ist ein Kraut gewachsen, sagt der Volksmund, und nicht jede Unpässlichkeit muss mit einem Mittel aus der Apotheke bekämpft werden. Besonders dann nicht, wenn schon gegen eine Reihe von Beschwerden verschiedene Medikamente eingenommen werden müssen. Bei manifesten internen Erkrankungen – besonders im Alter – müssen laufend eine ganze Reihe von Medikamenten eingenommen werden. Liegt der Schnitt der verordneten Medikamente bei über fünf Wirkstoffen, spricht der Mediziner von Polypharmazie. Diese Wirkstoffe können sich gegenseitig beeinflussen. Daher erfordern viele gleichzeitig eingenommene Medikamente ein genaues Arzneimittel-Management. Besonders im Alter ist es unerlässlich, dass der behandelnde Haus- oder Facharzt über alle verordneten und auch tatsächlich eingenommen Medikamente informiert wird. Nur der behandelnde Arzt kann in der Folge entscheiden, wie unerwünschte Wechselwirkungen zwischen den einzelnen Wirkstoffen so weit wie möglich minimiert werden können.

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Akute Beschwerden

Im Alter muss der Mensch oft mehrere Arzneimittel einnehmen. Dann empfiehlt sich die Überlegung, ob gegen akut auftretende Befindlichkeitsstörungen ein weiteres Medikament eingenommen werden soll oder ob sich das Leiden nicht mit einem Hausmittel bekämpfen lässt. „Aber auch dann ist es wichtig, sich mit seinem behandelnden Arzt in Verbindung zu setzen. Damit nicht zwischen dem Hausmittel und den verordneten Medikamenten unerwünschte Wechselwirkungen entstehen“, sagt Felix Hinterwirth, Obmann der OÖ Gebietskrankenkasse. Und ob sich die Erkrankung wirklich mit einem Hausmittel behandeln lässt.

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Saisonale Erkrankungen

Besonders gegen witterungsbedingte Erkrankungen, wie etwa Erkältung oder Gelenksbeschwerden, kann es zielführend sein, zu einem Hausmittel wie etwa Kräutertees, Inhalationen oder Wickel zu greifen. Pflanzenextrakte, warme oder kalte Umschläge oder heiße Getränke setzen oft Selbstheilungskräfte im Körper frei oder lindern wirksam Beschwerden.

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Vorbeugen statt heilen

Akute Beschwerden lassen sich aber nicht nur bekämpfen, nachdem sie schon eingetreten sind. Seinen Lebensstil zu verändern, ist in vielen Fällen schon der wichtigste Schritt in die richtige Richtung. Viel Bewegung an der frischen Luft, gesunde Ernährung und wenig Alkohol und Nikotin stärken die Abwehrkräfte und verhindern, dass saisonale Krankheiten überhaupt entstehen.
Bluthochdruck und Diabetes Typ 2 sind Zivilisationskrankheiten, an denen immer mehr Menschen leiden. Übergewicht und Bewegungsmangel sind zwei der Hauptgründe dafür. Körperliche Aktivität zählt daher zu den wichtigsten Therapiemaßnahmen. Als Mindestleistung geben Mediziner drei Einheiten pro Woche von im Schnitt 30 Minuten an. Dafür würde sich zum Beispiel Nordic Walking anbieten. Dabei wird der ganze Körper bewegt, die Gelenke werden aber geschont, der Blutdruck kann gesenkt werden.
Auch bei Osteoporose wirkt sich Bewegung und laufendes körperliches Training positiv auf die Prävention der Krankheit aus.
Eine gestörten Verdauung kann oft auf zu viel Weißbrot und Zucker zurückzuführen sein. Eine Veränderung der Ernährungsgewohnheiten kann die Beschwerden ganz ohne Medikamente lindern und die Einnahme von Abführmitteln überflüssig machen.
Besonders im Alter ist es für ein gesunden und beschwerdefreien Leben am wichtigsten, genügend zu trinken. Zwei bis zweieinhalb Liter Wasser täglich, spült den Organismus, hält Nieren gesund und den Mineralstoffhaushalt im Gleichgewicht.

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Wickel

Ist eine Erkältung trotzdem eingetreten, so bieten sich zum Beispiel Wickel mit verschiedenen natürlichen Inhaltsstoffen zur Linderung der Beschwerden an.
Einen Überblick liefert die Homepage der OÖGKK unter www.ooegkk.at > Service > Broschüren, Infos, TV- und Radiobeiträge > Ratgeber für ihre Gesundheit > Infozepte (Essig-, Topfen-, Zwiebelwickel). Die Rezepte und Anwendungsgebiete der beschriebenen Wickel wurden gemeinsam mit einem Mediziner der Ärztekammer für Oberösterreich erstellt.
Gegen Erkältung, Bronchitis, Halsentzündung aber auch gegen entzündete Gelenke oder Insektenstiche bietet sich ein Zwiebelwickel an.
Desinfizierend und fiebersenkend wirkt der gute alte Wadenwickel mit Essig oder die Essigpatschen, die schon in früheren Generationen den Kindern geholfen haben.
Entzündungshemmend wirkt ein Topfenwickel, der auch in vielen Krankenhäusern wieder zum Einsatz kommt. Topfen ist gut hautverträglich und eignet sich deshalb auch bei empfindlicher Haut. Ein kalter Topfenwickel wird besonders empfohlen bei Fieber und Kopfschmerzen, akuten Entzündungen und Schwellungen, oberflächlichen Venenentzündungen oder bei Sonnenbrand. Warm kann Topfen angewendet werden bei Husten, chronischen Gelenksentzündungen, Halsschmerzen und Bronchitis.

„Bei allen Arten der Wickel ist darauf zu achten, dass während der Anwendung keine Schmerzen entstehen. Beim Auftreten von Schmerzen ist der Wickel sofort zu entfernen. Zeigt sich keine Wirkung, ist der Arzt aufzusuchen“, hält Prim. Dr. Brigitte Povysil, Leiterin der Radiologie an der Landes- Frauen- und Kinderklinik Linz, fest.

Zuletzt aktualisiert am 24. Juli 2017