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Therapierichtlinien einhalten


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Medikamente richtig einnehmen

Unter Therapietreue verstehen Mediziner die Einhaltung der Therapierichtlinien, wie etwa Medikamenteneinnahme oder Verhaltensregeln im Krankheitsfall. Die WHO schätzt die Therapietreue für die Medikamenteneinnahme in entwickelten Ländern auf nur etwa 50 Prozent. Deutsche Untersuchungen haben ergeben, dass sich weniger als ein Drittel der Studienteilnehmer 100prozentig an die Einnahmevorschriften halten. Auf die exakte Dosierung kamen dabei nur zwischen 25 und 50 Prozent. In der Verordnungspraxis nehmen bis zur Hälfte aller Patienten die verordneten Medikamente entweder überhaupt nicht oder unvorschriftsmäßig ein. Knapp ein Drittel der Arzneimittel werde derart falsch verwendet, dass ernste Gesundheitsschäden folgen.

Schon bei nur einem verordneten Medikament ist es wichtig, es nach den Anordnungen des behandelnden Arztes einzunehmen – umso wichtiger ist es dann, die Therapierichtlinien bei mehreren verordneten Arzneien einzuhalten. Meist sind sie im Beipackzettel beschrieben. In manchen Fällen werden sie auch vom behandelnden Arzt verändert. Natürlich ist es auch dann nötig, diese Richtlinien einzuhalten.

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Nicht mit dem Suppenlöffel

Und das stellt vermehrt ältere Patienten vor Probleme: Wenn ein ganzes „Menü“ an Medikamenten verordnet ist, ist es oft der falsche Weg zum Therapieerfolg, sie mit dem „Suppenlöffel“ einzunehmen. Oft können sich die Wirkstoffe gegenseitig beeinflussen. Deshalb ist es wichtig, alle behandelnden Ärzte über die persönliche Medikamentenliste zu informieren. Nur dann kann der Arzt entscheiden, welche Medikamente angezeigt sind, wie, wann und in welcher Kombination die Arzneien eingenommen werden sollen (können).

„Bei der Medikamenteneinnahme gilt es nämlich nicht nur die täglich Dosis, sondern auch den richtigen Zeitpunkt der Einnahme einzuhalten“, stellt die Linzer Gesundheitsreferentin und praktische Ärztin, Vizebürgermeisterin Dr. Christiana Dolezal fest. Für die Wirkung mancher Medikamente ist es nötig, sie auf nüchternen Magen einzunehmen, weil die Mahlzeit (Ballaststoffe) die Aufnahme der Wirkstoffe im Körper verändert. Andere wiederum – so genannte Retard-Präparate – sollen nach dem Essen eingenommen werden, weil deren Wirkung von der Magenbewegung und vom pH-Wert des Blutes abhängen.

Untersuchungen – u.a. der WHO – haben gezeigt, dass die Therapietreue umso mehr sinkt, desto mehr Medikamente verordnet sind. Besonders wenn die Einnahmevorschriften kompliziert sind oder die Dosierung schwierig ist – weil zum Beispiel halbe oder gar viertel Tabletten eingenommen werden müssen –, verzichten viele Menschen auf die Einnahme der Pillen. Dadurch wird natürlich der Behandlungserfolg herabgesetzt. Und der Arzt wundert sich, dass die Behandlung nicht anschlägt, und verschreibt ein anderes Medikament, das dann wieder nicht oder nicht korrekt eingenommen wird.
Hilfreich können auch leicht zu öffnende Verpackungen sein – Kindersicherungen bei Medikamenten stellen sich allzu oft auch als seniorensicher heraus. Ein anderer Weg wäre das Einsortieren der Medikamente in eine Pillenbox durch den Betreuer. Das kann täglich oder wochenweise geschehen.

Studien haben gezeigt, dass die Therapietreue steigt, wenn statt einer zwei- oder gar dreimaligen Medikamentengabe, die Arznei nur einmal eingenommen werden muss. Die Dosierungsfrequenz bestimmt somit auch die Therapietreue der der Patienten. Chronisch Erkrankte sollten also mit Medikamenten behandelt werden, deren Einnahme weniger oft erfolgen muss.

Für die Einhaltung der Medikamenteneinnahme ist das Arzt-Patienten-Gespräch bei der Verschreibung entscheidend: Weil nur Anweisungen befolgt werden, die auch verstanden, akzeptiert und vom Patient erinnert werden, ist es auch für die Betreuer von alten Patienten wichtig, sich über das richtige Vorgehen bei der Einnahme von Arzneien zu informieren. Sowohl Patienten als auch ihren Betreuern sollen die Notwendigkeit der Verordnung klar sein, sie sollen Wirkungsweise und Nebenwirkungen akzeptieren und die Einnahmemodalität verstanden haben.

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Sprechen Sie mit Ihrem Arzt

Entschließt sich der Patient zur Nichteinhaltung der ärztlichen Verordnungen auf Grund eigener rationaler Überlegungen oder Beobachtung – weil etwa der Therapieerfolg ausbleibt oder die Nebenwirkungen zu stark sind –, spricht der Mediziner von intelligenter Non-Compliance. Dann muss aber auf jeden Fall der entsprechende Arzt über diesen Sachverhalt aufgeklärt werden, hält der Präsident des Österreichischen Pensionistenverbands, Karl Blecha sowie der Landesobmann des Oberösterreichischen Seniorenbundes, Dr. Josef Ratzenböck, fest.

Die WHO verbindet gute Therapietreue mit verbesserter Wirksamkeit der medizinischen Interventionen, ungenügende Einhaltung der ärztlichen Maßregeln mit erhöhter Morbidität und Mortalität. Aus unzureichender Therapietreue können aber nicht nur gesundheitliche Probleme entstehen, sie verursacht auch dem Gesundheitssystem immense Kosten. Für Deutschland schätzen Experten die Kosten von mangelnder Einhaltung der ärztlichen Anordnungen auf jährlich bis zehn Milliarden Euro. Damit liegen diese Kosten in der Größenordnung der Ausgaben für große Volkskrankheiten wie etwa koronare Herzkrankheiten. Zu den direkten Folgekosten zählen Krankenhausaufenthalte, Notarzteinsätze infolge Krankheitsrückfällen von und weggeworfene Medikamente. Dazu kommen außerdem noch indirekte Folgekosten (Produktivitätsminderung) für die Gesellschaft, vor allem durch Krankschreibungen und vorzeitige Berentung.

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Einzeldosis, Anwendungshäufigkeit, -zeitpunkte und –dauer

Im Allgemeinen wird die Compliance gestärkt, wenn der Patient die Ernsthaftigkeit seines Leidens erkennt, an die Wirksamkeit der Therapie glaubt, mit der medizinischen Betreuung zufrieden ist. Umgekehrt schwächen beispielsweise schlechte Erläuterungen, unzureichende Arzt-Patient-Beziehung, fehlendes Vertrauen oder mangelndes Einverständnis der Patienten mit der angeordneten Behandlung die Therapietreue. Eine Non-Compliance kann auch an der Form und Zusammensetzung der einzunehmenden Medikamente liegen (zum Beispiel wenn die vorgeschriebene halbe Tablette beim Zerteilen zerbröselt oder der Patient jedes Mal Probleme damit hat). Außerdem sind manche Patienten zu verwirrt oder zu krank, um die Einnahmeanweisungen korrekt zu befolgen (so wir zum Beispiel von depressiven Patienten berichtet, denen es schwer fällt, ihre Medikamente regelmäßig einzunehmen).

(Mag. Christian Boukal)

Zuletzt aktualisiert am 11. März 2015