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Präparate über die "Budel"


Medikamente, die rezeptfrei in der Apotheke über den Ladentisch verkauft werden, werden als OTC-Präparate (over the counter) bezeichnet. Obwohl diese Präparate nicht sehr stark wirksam sind und deshalb nicht rezeptpflichtig sind, sind die meisten apothekenpflichtig. Damit signalisiert der Gesetzgeber, dass er sich zum Verkauf eine fachliche Beratung über Wirksamkeit und Verträglichkeit wünscht.

Die Gruppe der OTC-Präparate ist überaus vielfältig. Sie umfasst alternativmedizinische Zubereitungen (Homöopathika, Schüsslersalze, Bachblütenpräparate, Präparate der traditionellen chinesischen Medizin) genauso wie Vitamine, Schmerzmittel und die große Gruppe der Arzneimittel pflanzlichen Ursprungs – die so genannten Phytopharmaka.

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Für den Laien harmlos

Im Allgemeinen hält der Laie pflanzliche Arzneimittel für wirksam aber gleichzeitig für völlig harmlos. Er vergisst dabei, dass Pflanzen die Quelle der stärksten Wirkstoffe und Gifte sind. Bereits Paracelsus wusste, dass einzig die Dosis darüber entscheidet, ob ein Wirkstoff zum Heilmittel oder zum Gift wird. Anders ausgedrückt: Selbst Kamillentee kann mehr schaden als nützen, wenn er täglich und literweise getrunken wird. Zusätzlich problematisch ist, dass nicht immer ein Unterschied zwischen Arzneimittel und Nahrungsergänzungsmittel deutlich erkennbar ist. Nicht nur deshalb haben sie auch meist keine so umfassende Packungsbeilage. Eine fachkundige Beratung und eine umfassende Abklärung weshalb und in welcher Kombination diese Produkte eingenommen werden ist deshalb unverzichtbar. Auch der behandelnde Hausarzt sollte unbedingt vom Patienten darüber informiert werden, welche Arzneimittel und OTC-Produkte er einnimmt, um die Medikamente abstimmen und Wechselwirkungen vermeiden zu können.

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Phytopharmaka

„Phytopharmaka“ sind fertige Arzneien, deren Wirkstoffe aus Pflanzen stammen. Neben den pflanzlichen Wirkstoffen sind Begleitstoffe enthalten, die dazu dienen das Arzneimittel einnehmen zu können. Sie können keine aber auch unerwünschte Wirkungen haben. Viele pflanzliche Tropfen enthalten zum Beispiel hochprozentigen Alkohol (Baldriantropfen, Melissengeist).

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Gegenseitige Beeinflussung von Wirkstoffen (Wechselwirkung)

Bei gleichzeitiger Einnahme von Präparaten, die nicht aufeinander abgestimmt wurden, könnte es zur gegenseitigen Wirkungsverstärkung oder -verminderung und gar zu einem Wirkverlust eines oder mehrerer Präparate kommen. Beides ist in gleichem Maße unerwünscht und kann durchaus gefährlich werden.

„Auch Genussmittel wie Alkohol, Nikotin oder Nahrungsmittel wie Grapefruitsaft können bei gleichzeitiger Einnahme von Medikamenten bedenkliche Wechselwirkungen hervorrufen“, hält auch Dr. Johann Kalliauer, Präsident der Arbeiterkammer OÖ, fest.

Ob mit Nahrung, pflanzlichen oder synthetischen Arzneimitteln – unser Körper geht mit allem was ihm zugeführt wird gleich um. Die aufgenommenen Stoffe werden über das Blut in alle Organe verteilt, in der Leber abgebaut und über Niere oder Darm ausgeschieden. Praktisch alle Abläufe finden wie bei der Post an „Drehtüren“, „Schaltern“, mit „Beamten“ oder im „Postauto“ statt. Je mehr sich anstellen, umso länger dauert die Abfertigung. Wer warten muss, schaut sich um, was er sonst noch so alles erledigen könnte oder geht wieder. „In diesem ‚Postamt’ regiert das Gesetz des Stärkeren und wer die besseren Beziehungen hat, wird bevorzugt bedient“, erklärt Dr. Silvia Hetz, die Leiterin der Anstaltsapotheke am Klinikum Wels-Grieskirchen das Auftreten von Wechselwirkungen.

Beim Kauf von OTC-Präparaten ist es deshalb wichtig zu wissen, welche Arzneimittel zusätzlich eingenommen werden und welche Wirkung von einem Produkt erwartet wird. Mitunter stellt sich bei der Beratung in der Apotheke heraus, dass die verordneten Medikamente nicht ausreichend wirksam sind, gar nicht oder nicht richtig eingenommen werden oder deren Nebenwirkungen die Beschwerden verursachen. „In diesem Fall wird der Patient von uns zum behandelnden Arzt verwiesen“, betont Mag. Thomas Veitschegger, Präsident der OÖ Apothekerkammer.

OTC-Präparate laden zur Selbstmedikation ein. Ihre Anwendung erscheint vertraut. Wer liest da noch den Beipackzettel? Wer bedenkt schon, dass die gute alte Acetylsalicylsäure (z. B. in Aspirin) gegen die Kopfschmerzen des Opa vielleicht ungeeignet ist, weil er ja auch noch „Blutverdünner“ einnimmt? Deswegen verlangen Fachleute für die Zukunft eine vermehrte Untersuchung über Interaktionspotentiale, um die Arzneimittel-Sicherheit auch für Menschen zu gewährleisten, die wegen schweren Erkrankungen auf Medikamente angewiesen sind. Diese Forderung wird auch von den österreichischen Seniorenorganisationen, Heinz Hillinger vom Pensionistenverband OÖ und von Dr. Andreas Khol vom Seniorenbund Österreich, unterstützt und begrüßt.

„Ich werfe jetzt alle Kopfschmerzmittel weg, die bei uns zuhause herumliegen. Mein Mann wäre beinahe erstickt!“ empört sich Gertraud L. aus Salzburg. Die Rettung musste ihren Mann, der wegen einer Migräneattacke ein Schmerzmittel eingenommen hatte, in der Nacht in die Notaufnahme bringen. Das Präparat hatte bei dem Asthmatiker eine beschriebene Nebenwirkung ausgelöst: Akute Atemnot.

Zuletzt aktualisiert am 11. März 2015