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1. Wissenschaftliche Tagung im KIDZ


Gesund beginnt im Mund, und zwar schon im Mund von
kleinen Kindern. Und Kinder brauchen eine auf ihre Bedürfnisse abgestimmte Zahnbehandlung.

Dessen ist sich die OÖ Gebietskrankenkasse in besonderem Maße bewusst und stellt die Fürsorge für die kleinen Patienten mit der Einrichtung des "Dentalzentrums für Kinder und Jugendliche (KIDZ)", das im Oktober 2007 eröffnet wurde, unter Beweis. Im KIDZ werden Kinder und Jugendliche bis zum 18. Lebensjahr behandelt. 

Das Zahnambulatorium Linz der OÖGKK war am 28. Juni 2008 Veranstaltungsort einer zahnmedizinischen Tagung, die von der OÖ Gebietskrankenkasse gemeinsam mit der Österreichische Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (ÖGZMK) veranstaltet wurde. Die Tagung richtete sich an Zahnärzte und zahnärztliche Assistenten, Thema waren "Standards in der Kinderzahnheilkunde". Das Interesse des Fachpublikums war so groß, dass einige Interessenten wegen Kapazitätsmangel abgewiesen werden mussten. Die 170 TeilnehmerInnen reisten aus ganz Österreich an.

Aufgrund der starken Nachfrage und des großen Erfolgs planen wir eine Folgeveranstaltung durchzuführen.

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Gesundheitsziel 'Zahngesundheit'

Die Zahnstatuserhebung des Österreichischen Bundesinstituts für Gesundheitswesen (ÖBIG) ergab für das Jahr 2006, dass zwar jedes zweite oberösterreichische Kind kariesfrei ist, jedes dritte Kind jedoch an nicht behandelter Karies leidet. Frau Primaria Dr. Silvia Schmitt, ärztliche Leiterin des KIDZ der OÖ Gebietskrankenkasse, wies in ihrem Vortrag zugleich darauf hin, dass in den vergangenen zehn Jahren die Zahl der Sozialhilfeempfänger bei Kindern auf das Achtfache gestiegen ist. 

Vor diesem Hintergrund spielen auch die Forderungen der WHO, dass bis 2020 mindestens 80 Prozent der Sechsjährigen kariesfrei sein sollen, eine Rolle. Diese Vorgabe ist auch in die "10 Gesundheitszielen für Oberösterreich", Stand 2006, eingeflossen: Ziel 2 betrifft die Zahngesundheit: "Bis zum Jahr 2010 sollten mindestens 80 Prozent der Kinder der Altersgruppe 6 kariesfrei sein und 12-Jährige sollten im Durchschnitt höchstens 1,5 kariöse, extrahierte oder gefüllte Zähne aufweisen.".

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Themen

Um diese Ziele zu erfüllen, bedarf es wegen der besonderen Zielgruppe auch besonderer Maßnahmen und Herangehensweisen. Unter der Leitung und Moderation des Chefzahnarztes der OÖ Gebietskrankenkasse, Prim. MR. Dr. Josef Bukal, wurde dementsprechend auf kindbezogene Themen eingegangen. 

Nach der Begrüßung durch den Obmann der OÖ Gebietskrankenkasse Alois Stöger, diplômé, Landtagsabgeordneten Dr. Walter Entholzer (Land OÖ) und Prim. Univ. Prof. Dr. Bernd Gattinger (Stadt Linz) übernahm Prim. MR. Dr. Josef Bukal, leitender Chefzahnarzt der OÖ Gebietskrankenkasse, die Moderation und Tagesleitung.

Er stellte die ReferentInnen

  • Dr. Verena Bürkle, Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Kinderzahnheilkunde, ÖGK,
  • Univ.-Lekt. Prim. DDr. Elmar Favero, leitender Chefzahnarzt der Tiroler Gebietskrankenkasse
  • Prim. Dr. Werner Gerstl, Leiter der Kinder- und Jugendpsychiatrie an der Landes-Frauen- und Kinderklinik, Linz,
  • Prim. Dr. Doris Haberler, stellvertretende Präsidentin des Verbandes Österreichischer Kieferorthopäden, VÖK,
  • Prim. Dr. Silvia Schmitt, ärztliche Leiterin des ZA Linz der OÖ Gebietskrankenkasse, und
  • Dr. Robert Schoderböck, Ausbildner und Referent für Zahnärztinnen und Helferinnen in Österreich und Deutschland

vor.

Folgende Themen wurden bei der Tagung behandelt:

  • Richtlinien für Kinderzahnbehandlung,
  • Milchzahnbehandlung,
  • Kontrolle der Gebissentwicklung,
  • Angstabbau bei der Behandlung und
  • hypnotischer Umgang mit Kindern bei der Behandlung.

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Eltern miteinbeziehen

Naturgemäß standen Themen wie Angstabbau und Behandlung von "schwierigen" Kindern im Mittelpunkt des Interesses.

Allen Statements gemeinsam war die Überzeugung, dass Eltern in die Behandlung der Kinder miteinbezogen werden müssen. Einerseits um ihre Sprösslinge von der Notwendigkeit der Zahnpflege zu überzeugen und sie entsprechend anzuleiten. Andererseits um den Eltern nahe zu bringen, wie wichtig schon die Milchzähne sind. Es ist eben nicht egal, was mit diesen ersten Zähnen passiert, weil sie doch durch das Dauergebiss ersetzt werden. Als Platzhalter für die zweiten Zähne und als möglicher Kariesherd für das Folgegebiss sind sie wichtig und bedürfen einer besonderen Pflege. 

Darauf wies auch Univ. Lektor DDr. Elmar Favero mit der Feststellung hin, dass 20 Prozent der Kinder mit 80 Prozent der Karies belastet sind. Seinen Aussagen nach steigt auch die Nachfrage nach Narkosesanierung bei Kindern. 

Dr. Verena Bürkle schlug in dieselbe Kerbe und betonte, wie wichtig es ist sich bei der Kinderzahnbehandlung Zeit zu nehmen: Kennen lernen, mit Eltern die Behandlung besprechen und aufklären sind zentrale Punkte, um den Kindern die Angst zu nehmen und zur Mitarbeit zu gewinnen. Auch sie wies auf die Wichtigkeit der richtigen Zahnpflege schon von den Milchzähnen an hin..

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Angst

Zwei Referenten widmeten sich dem Themenblock "Angst": Prim. Dr. Werner Gerstl und der auf Hypnose spezialisierte Zahnarzt Dr. Robert Schoderböck. 

Prim. Gerstl traf mit seiner Aussage, dass "man Kindern Angst nicht ersparen" kann, den Nerv. Man müsse sich vielmehr mit dieser Angst auseinander setzen. Angst kann zu vegetativen Störungen führen, begleitet etwa durch Bauchschmerzen oder Herzklopfen. Er wies darauf hin, dass oftmals eine unbewusste Übertragung der Angst von Eltern auf Kinder geschieht.

Nach einem traumatischen Erlebnis beim Zahnarzt kann es in der Folge auch zu posttraumatischen Belastungsstörungen kommen - etwa wenn der Patient wieder mit dem Ort oder mit dem Geruch der Behandlung in Berührung kommt. Daraus können Flucht, Rückzug oder Albträume entstehen.

Als Präventivmaßnahme schlägt Gerstl vor, Kinder schon vor der Behandlung mit dem Zahnarzt vertraut zu machen und dass frühzeitig (in der gesamten Bevölkerung) ein Zahnbewusstsein geschaffen wird.

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Hypnose

Einer besonderen Methode bedient sich Dr. Robert Schoderböck aus Kremsmünster: Er versucht die kleinen Patienten in Trance zu versetzen, um ihnen die Angst zu nehmen. Dabei bedient er sich einer kindgerechten, bildhaften Sprache, die die Phantasie der Kinder anregen und von der unangenehmen Behandlung im Mund ablenken soll.

Bei der Behandlung von Kleinkindern werden die Kinder auf den Schoß eines Elternteils  gebettet und beide gehen in Trance. Der Behandler versucht Geschichten zu erzählen, deren Vollendung er der Phantasie des Kindes überlässt. Um das Kind in Trance zu versetzen, bedient sich Schoderböck auch absurder Geschichten über blaue Wolken und grünen Geschmack.

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KIDZ - Dentalzentrum für Kinder und Jugendliche

Den Abschluss der Veranstaltung bildete das Referat von Prim. Silvia Schmitt.

Sie stellte die Entstehung der Kinderzahnbehandlung in der OÖGKK bis zur Eröffnung des Dentalzentrums für Kinder und Jugendliche (im neuen Fachambulatorium Linz, Garnisonstraße 1a) kurz dar: Auch im neuen Zentrum stehen wieder vier Behandlungsplätze zur Verfügung. Zusätzlich wurde ein Prophylaxeraum für (wöchentliche) Gruppenbesuche aus Kindergärten und Schulen eingerichtet. Darüber hinaus wurde eine eigene Zahntechnik geschaffen und die Bildgebung mit einer digitalen Röntgeneinrichtung ausgestattet.

Derzeit werden jährlich rund 5.000 Kinder und Jugendliche im KIDZ behandelt. Das Leistungsspektrum reicht von Kinderzahnbehandlung, Beratung über Prophylaxe bis zur abnehmbare Kieferorthopädie.

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Forderungen

An ihren Vortrag knüpfte Prim. Schmitt Wünsche für die Zukunft: 

So sollten Kinderzahnbehandlung und kieferorthopädische Untersuchungen in den Mutter-Kind-Pass aufgenommen werden. Eltern würden dadurch bereits von Beginn an mit der Thematik vertraut gemacht werden. Dadurch könnte verhindert werden, dass Kinder erst dem Zahnarzt vorgestellt werden, wenn die Karies schon fortgeschritten ist. 

Zweitens fordert sie in besonders gelagerten Fällen eine Narkosesanierung mit flankierenden Maßnahmen durch eigens geschulte KinderzahnbehandlerInnen an geeigneten Orten (zum Beispiel AKH Linz). Damit verbunden, forderte sie "Hausaufgaben" für die Eltern.

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Tagungsfotos

v.l.n.r. Prim. Dr. Doris Haberler, Dr. Robert Schoderböck, Prim. Dr. Silvia Schmitt, Dr. Verena Bürkle, Univ.-Lekt. Prim. DDr. Elmar Favero

Tagung: Standards in der Kinderzahnheilkunde

Publikum

Tagung: Standards in der Kinderzahnheilkunde

1. Reihe v.l.n.r.: Landtagsabgeordneter Dr. Walter Entholzer , Prim. MR Dr. Josef Bukal, Prim. Dr. Doris Haberler, Prim. Univ. Prof. Dr. Bernd Gattinger; Fr. Kastner Referat Wissenschaftskooperation,
Vortragender: Alois Stöger, diplômé

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Tagungsprogramm

linkDownload den Tagungsprogramms (104.0 KB)

Zuletzt aktualisiert am 11. März 2015