DRUCKEN

Medizinstudium: Bezahltes Praktikum macht Allgemeinmedizin attraktiver

In den letzten beiden Semestern des Medizinstudiums geht es für die Studierenden in die Praxis: Im Klinisch-Praktischen Jahr (KPJ) ist neben Mitarbeit im Krankenhaus auch ein mehrwöchiges Praktikum beim Hausarzt vorgesehen. Dass dieses Praktikum ab sofort bezahlt wird, ist einer von mehreren Schritten, schon während der Ausbildung die Attraktivität der Allgemeinmedizin zu fördern und das Interesse des Ärzte-Nachwuchses an einer Kassenordination zu wecken.   

Wahlarzt_wahltherapeut_93867223.jpg

LogoPK30.png




Warum sollte ein angehender Mediziner eine Karriere als Hausarzt wählen, wenn er diese Option nie kennenlernen durfte? Vor diesem Hintergrund haben die oberösterreichischen Systempartner vereinbart, dass Medizinstudenten der Linzer Johannes-Kepler-Universität (JKU) während des KPJ auch in Hausarztordinationen ihre Praxis absolvieren – mindestens für vier Wochen, freiwillig verlängert bis zu zwölf Wochen. Davon unberührt bleibt die Mitarbeit in verschiedenen Spitalsabteilungen ein fixer Teil des KPJ. Während des KPJ erhalten die Studenten ein monatliches Taschengeld in der Höhe von EUR 650 brutto vom Spital. Die Besonderheit in Oberösterreich: OÖGKK und Ärztekammer für Oberösterreich finanzieren das Taschengeld der Studenten auch beim Hausarzt-Praktikum – sogar über die vier Pflichtwochen hinaus: ein starker Anreiz fürs freiwillig verlängerte Wahlpraktikum.

Der OÖGKK, der JKU und der Ärztekammer für Oberösterreich ist es ein Anliegen, die praktische Ausbildung für Allgemeinmedizin attraktiver und angehende Ärzte neugierig auf das Berufsbild des Hausarztes bzw. der Hausärztin zu machen. Die medizinisch-praktische Ausbildung für Medizin findet hauptsächlich im Spital statt. Viele Jungmediziner haben daher eine Ordination für Allgemeinmedizin noch nicht auf dem „Radar“. Die Förderung für das Praktikum beim Hausarzt während des KPJ soll ein Beitrag sein, möglichst früh die angehenden Mediziner für diesen Beruf zu interessieren, denn die Entscheidung zwischen Allgemeinmedizin und Facharztausbildung fällt seit der Reform der Medizinerausbildung schon zu einem frühen Zeitpunkt. War man früher nach dem dreijährigen Spitalsturnus in der Regel Allgemeinmediziner (und schloss danach eventuell die Facharztausbildung an), ist heute nach Abschluss des Medizinstudiums zunächst eine neunmonatige Basisausbildung im Lehrkrankenhaus vorgesehen. Bereits nach diesen neun Monaten müssen sich die Jungmediziner zwischen Allgemeinmedizin oder Facharztausbildung entscheiden. Wer da schon Erfahrungen in der Hausarztordination gesammelt hat, kann sich unter dem Berufsbild bereits viel vorstellen und wird sich eher für die Allgemeinmedizin begeistern, als jemand der den Hausarztberuf nur vom Hörensagen kennt.

„Es gibt mittlerweile viele Möglichkeiten, während der medizinischen Ausbildung in den Hausarztberuf hinein zu schnuppern. Auch die Kassenverträge sind heute sehr vielfältig. Es gibt nicht ein Standardmodell für alle, sondern vielfältige Möglichkeiten, die sich mit der eigenen Work-Life-Balance in Einklang bringen lassen. Da hat sich in den vergangenen Jahren einiges getan – nicht zuletzt dank der guten Zusammenarbeit der Systempartner in Oberösterreich“, so OÖGKK-Obmann Albert Maringer.




Zuletzt aktualisiert am 24. September 2019