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Start für Lehrpraxis: Neue, attraktive Ausbildung für Hausärzte-Nachwuchs

Seit einigen Jahren wird es schwieriger, genügend Bewerber für die Nachbesetzung von niedergelassenen Stellen zu finden. Besonders betroffen: die Allgemeinmedizin. Eine Ursache liegt in der Ausbildung des Ärztenachwuchses. Der Turnus nach dem Medizinstudium wurde bislang fast nur im Spital absolviert. Die Vorbereitung auf die selbstständige Tätigkeit in einer eigenen Ordination kam dabei zu kurz. Das hat sich jetzt geändert: Seit Anfang Juni ist die Lehrpraxis fixer Teil der praktischen Ausbildung für angehende Allgemeinmediziner. Länder, Bund, Sozialversicherung und Ärztekammer haben gemeinsam eine Lösung erarbeitet.

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Derzeit gibt es in Oberösterreich bereits 37 Hausarzt-Ordinationen, die als Lehrpraxis zur Verfügung stehen. Um noch mehr für die Lehrpraxis zu gewinnen, gehen die OÖGKK und die Ärztekammer für OÖ aktiv auf erfahrene Hausärzte zu. Bürokratische Hürden wollte man erst gar nicht aufkommen lassen, die Systempartner haben Lösungen für eine unkomplizierte Abwicklung gefunden.

 

Zielgruppen und Voraussetzungen

  • Lehrpraktikanten für Allgemeinmedizin sind Ärzte und Ärztinnen, die sich am Ende der Ausbildung befinden.
  • Lehrpraxen/Lehrgruppenpraxen für Allgemeinmedizin sind Ordinationen von Ärztinnen und Ärzten, die von der Österreichischen Ärztekammer die Berechtigung zur Ausbildung erhalten haben: Anerkannte Lehrpraxen erfüllen bestimmte Kriterien (zB mindestens vierjährige Berufserfahrung des ausbildenden Arztes in der Niederlassung, Lehrpraxisleiter-Seminar).


Unkomplizierte Organisation

  • Die Lehrpraktikanten bleiben mit 30 Wochenstunden im Stammspital angestellt, beziehen dort ihr Gehalt aliquot weiter und werden an die Lehrpraxis „dienstzugeteilt“. Sie können auf freiwilliger Basis zusätzliche Dienste im Spital absolvieren.
  • Ansprechpartner für das Thema Lehrpraxis sind in erster Linie die Länder-Ärztekammern. Interessierte Ordinationen stellen dort einen Antrag auf Bewilligung einer Lehrpraxis. Angehende Allgemeinmediziner erkundigen sich bei den Ärztekammern, wo und ab wann Lehrpraxis-Stellen frei sind. Der Lehrpraktikant bewirbt sich direkt beim Lehrpraxisinhaber.

 

Vorteile für alle Beteiligten

  • Lehrpraktikanten lernen den Alltag einer Hausarztpraxis kennen. Die Jungärzte dürfen unter Anleitung und Aufsicht des Lehrpraxisinhabers im gesamten allgemeinmedizinischen Spektrum tätig werden, das heißt zum Beispiel untersuchen, behandeln, Rezepte und Überweisungen ausstellen.  
  • Die Patienten müssen mit der Betreuung durch einen Lehrpraktikanten einverstanden sein. Durch die Lehrpraxis werden die Jungärzte optimal auf eine selbstständige Tätigkeit vorbereitet und sind potenzielle Interessenten für eine Praxisnachfolge, eine Gruppenpraxis oder Primärversorgungszentren.
  • Die Lehrpraxis-Anbieter werden entlastet: Die Lehrpraktikanten haben bereits einen hohen Ausbildungsstand und können nach insgesamt 36 Monaten Ausbildung (also nach jener Zeit, in der bisher das ius practicandi erworben wurde) nach einer Einarbeitungsphase dem Lehrpraxisinhaber auch Arbeit abnehmen.


Geteilte Finanzierung der Lehrpraxis für Allgemeinmedizin

Die Finanzierung dieses zukunftsträchtigen Modells tragen Bund, Länder, Sozialversicherung und Ärzteschaft gemeinsam. Die Lehrpraxis-Inhaber dürfen die Leistungen von Lehrpraktikanten mit der Krankenversicherung abrechnen, um ihren Kostenbeitrag für den Lehrpraktikanten zu erwirtschaften.

 

Zusammenarbeit der Gesundheitsplayer

 

Albert Maringer, Obmann der OÖGKK

„Für die Lehrpraxis haben alle Systempartner an einem Strang gezogen. Wir wünschen uns, dass möglichst viele Jungmediziner und Jungmedizinerinnen, die in den Alltag eines Hausarztes eintauchen, sich später für den Einstieg in eine Ordination begeistern.“

 

Dr. Peter Niedermoser, Präsident der Ärztekammer für OÖ

Alle Evaluierungen der Ausbildung zur Allgemeinmedizinerin, zum Allgemeinmediziner belegen, dass die Lehrpraxis die beste Vorbereitung für die spätere Berufsausübung ist. In Oberösterreich zeigt sich wieder einmal, dass eine gute Zusammenarbeit zwischen Land OÖ, Ärztekammer für OÖ und OÖGKK einen unbürokratischen und gesicherten Ablauf dieser Ausbildung ermöglicht.“

 

Mag. Christine Haberlander, Gesundheitslandesrätin für Oberösterreich

„Die Lehrpraxis ist wieder ein Beispiel für die konstruktive Zusammenarbeit aller Systempartner in Oberösterreich und ein weiterer Baustein zur Sicherung der hausärztlichen Versorgung. Denn wenn junge Medizinerinnen und Mediziner die abwechslungsreiche Tätigkeit eines Hausarztes hautnah kennen lernen können, ist später auch die Bereitschaft höher, in diesem Beruf zu arbeiten.“

 

 

 

Rückfragen:

 

OÖGKK Direktionsbüro und Kommunikation

Mag. Harald Schmadlbauer | Tel. 05 78 07 – 10 24 00 | harald.schmadlbauer@ooegkk.at

 

Ärztekammer für Oberösterreich

Mag. Claudia Werner | Tel. 0732 / 77 83 71 – 323 | c.werner@aekooe.at

 

Pressesprecherin Landesrätin Mag. Christine Haberlander

Karin Mühlberger | Tel. 0732 / 7720 - 17110 | karin.muehlberger@ooe.gv.at

 

 

Zuletzt aktualisiert am 07. Juni 2018