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Autistische Kinder: Finanzspritze für Intensivtherapie bei den BHB Linz

Eltern von autistischen Kinder können aufatmen: Die Finanzierung eines speziellen und landesweit einzigartigen Frühförderprogramms für betroffene Kinder, das im Autismuskompetenzzentrums des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder Linz höchst erfolgreich angewandt wird, ist für ein weiteres Jahr gesichert. Das Land Oberösterreich und die oberösterreichische Gebietskrankenkasse gemeinsam mit den anderen oberösterreichischen Sozialversicherungsträgern haben 400.000 Euro an Fördermitteln für das Jahr 2017 zugesichert – und damit einen entscheidenden Beitrag zum Gelingen einer besseren Integration von autistischen Kindern geleistet.


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„Das Autismus-Projekt ist ein Beispiel für die ‚gelebte Partnerschaft‘ zwischen Land Oberösterreich und der OÖGKK. Gemeinsames Ziel ist eine bestmögliche Gesundheitsversorgung der oberösterreichischen Bevölkerung. Beiden Financiers war es ein großes Anliegen, Kindern mit Autismusspektrumsstörungen bereits möglichst frühzeitig ein intensives Therapieangebot zur Verfügung zu stellen. Es ist sehr erfreulich, dass schon innerhalb einer kurzen Programmphase bei den betreuten Kindern deutliche Fortschritte erzielt werden konnten“, so Gesundheitsreferent Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer.

„Unser Dank gilt dem Land OÖ und der Gebietskrankenkasse, da trotz der schwierigen Finanzsituation im Gesundheitswesen Mittel für dieses Programm bereitgestellt werden“, freut sich Mag. Peter Ausweger über die Unterstützung für das Frühförderprogramm“, es ist eine Investition für eine bessere Zukunft dieser Kinder für viele Jahre und je früher die Therapie beginnen kann, desto besser die Entwicklungschancen der Kinder.“

„Als soziale Krankenversicherung ist es uns immer ein Anliegen, den Schwächeren dieser Gesellschaft die Chancen auf gute Gesundheit zu ermöglichen. Jedes einzelne Kind, dem hier geholfen werden kann, ist ein großer Grund zur Freude. Ich bin überzeugt, dass die gute Zusammenarbeit zwischen Land und OÖGKK und das an einem Strang ziehen bei Themen wie diesen, mehr Gesundheit und soziale Wärme bringt“, meint der Obmann der OÖGGK Albert Maringer.

„Wir sehen das vor allem auch als große Wertschätzung unserer Arbeit“, freut sich Priv.-Doz. Dr. Daniel Holzinger, Leiter des Zentrums für Kommunikation und Sprache am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder. Holzinger war es auch, der 2013 das sogenannte „Early Start Denver Model (ESDM)“ von Amerika nach Linz brachte. Im Children's Hospital der Harvard School of Medicine in Boston arbeitet man seit Jahren intensiv mit autistischen Kindern. Teils werden über 20 Stunden  pro Woche in die Therapie investiert. Die Erfolge sind durch eine Studie belegt.

   

Das Autismuskompetenzzentrum startete in Linz mit einem deutlichen geringeren Wochenpensum von drei Tagen - was den Erfolg aber nicht schmälerte. Holzinger: „Es ist beeindruckend, was sich in einem Jahr intensiver Arbeit bei den Kindern verändert. Wir arbeiten stets mit einem interdisziplinären Ansatz mit Therapeutinnen und Therapeuten aus den Fachbereichen Psychologie, Logopädie und Ergotherapie und sind eng mit der Entwicklungsmedizin vernetzt. Insbesondere die sozio-emotionale Entwicklung aber auch die kognitive und sprachlich-kommunikative Entwicklung des Kindes wird gefördert.“

Das Early Start Denver Model (ESDM) richtet sich an Kinder im Alter zwischen einem und vier Jahren. Rund ein Jahre lang werden verschiedene Alltagssituationen mit Therapeuten und Eltern trainiert. Dadurch sollen die sozialen Interessen und Fähigkeiten, die die Grundlage für die weitere Entwicklung darstellen, neu aufgebaut werden. Der Erfolg sei sogar im EEG sichtbar, erläutert Holzinger. Während autistische Kinder - im Gegensatz zu gesunden - stärker auf Gegenstände als auf Personen reagieren, ändere sich das nach einer Therapie. Holzinger: „Es geht primär darum, die soziale Kompetenz zu stärken und zu fördern. Wir wollen keine Kinder, die nach einem Jahr Therapie wissen, wie sie in der Gesellschaft zu funktionieren haben. Das wäre uns zu wenig. Wir sehen uns als Stütze beim Wecken sozialer Interessen und der Persönlichkeit.“

Die betroffenen Eltern seien in den meisten Fällen sehr froh, endlich eine konkrete Diagnose zu erhalten. Holzinger: „Wenn Kinder keinen Blickkontakt aufbauen, nicht anfangen auf Dinge zu zeigen oder die Sprachentwicklung ausbleibt, dann sind das erste Alarmzeichen. Diese bleiben natürlich den Eltern nicht verborgen.“  Oft würden autistische Störungen aber erst viel zu spät als solche erkannt, dann ist eine Therapie schwieriger und weniger erfolgsversprechend. Holzinger: „Wir haben deshalb Maßnahmen zur verbesserten Früherkennung durch niedergelassene Kinderärzte getroffen. Je früher betroffene Kinder zu uns überwiesen werden, desto erfolgsversprechender ist die Therapie.“

Eine Erfahrung die auch eine Mutter eines 6-jährigen Sohnes mit der Diagnose mittelgradiger frühkindlicher Autismus nur bestätigen kann. „Mit der Therapie wurde vor 3 Jahre begonnen,  mein Sohn hatte damals starke Fixierungen, die sich im Alltag durch Schwierigkeiten beim Anziehen, Essen, außerhalb des Eigenheimes oder bei neuen Situationen äußerten. Auch das Spielen mit anderen Kindern war nicht möglich, die Kommunikation auf wenige Worte beschränkt“, so die Mutter. „Durch die Therapie hat sich die Situation spürbar verbessert. Er hat Anschluss im Kindergarten gefunden, spielt mit seinem Bruder oder anderen Familienmitgliedern und spricht fast altersgerecht“, schildert die Mutter die neue Situation und ist zuversichtlich „was ein gesundes Kind automatisch erlernt wird durch das Frühförderprogramm 1:1 vermittelt, das ist die entscheidende Basis, für die weitere Entwicklung“.

Rund 80.000 Menschen in Österreich sind von Autismusspektrumstörung betroffen. Dabei handelt es sich um eine tief greifende Entwicklungsstörung, die von Geburt an vorliegt und in den ersten Lebensjahren auftritt. Die Störung äußert sich hauptsächlich durch eine Beeinträchtigung der Beziehungs- und Kommunikationsfähigkeit. Darüber hinaus sind motorische, kognitive und affektive Funktionen betroffen.

        

Rückfragen:

 

OÖGKK………….…….... Mag. Ulrike Bauer Tel. 05 78 07 - 10 22 12 |

                                         ulrike.bauer@ooegkk.at

 

Land OÖ……………...… Dominik Danner, Tel. 0732 / 7720 – 11407

                                        dominik.danner@ooe.gv.at

  

Barmherzige Brüder ….. Manuela Kaar, Tel. 0732 / 7897 – 26 006

                                        Manuela.kaar@bblinz.at

         

Zuletzt aktualisiert am 11. Januar 2017