3. Zahnmedizinische Tagung zum Thema „Essstörungen“ Neuester Stand der Wissenschaft Die Referenten Themen Prophylaxe steigert Zahn-Gesundheitsbewusstsein Zahnbehandlung unter Sedierung: Von Verhaltensführung bis zur Narkosesanierung Standards in der Zahntraumatologie bei Kindern Essstörungen – Erkennen und Handeln Adipositas und Übergewicht im Kinder- und Jugendalter Nur stärker gebaut oder doch zu dick? Prävention ist die beste Therapie
3. Zahnmedizinische Tagung zum Thema „Essstörungen“
Über 120 Teilnehmer reisten dafür aus ganz Österreich und teilweise Deutschland am
11. September 2010 in das Ausbildungszentrum der Landes- Frauen- und Kinderklinik nach Linz. Die Veranstaltung wurde durch den stellvertretenden Obmann der OÖGKK, Albert Maringer, und die Linzer Gemeinderätin Mag. Miriam Köck eröffnet. Auch Mag. Dr. Andrea Wesenauer, Ressortdirektorin der OÖGKK, wies in ihrer Eröffnungsadresse darauf hin, dass die OÖGKK mit dieser Tagung „fachübergreifende Akzente setzen“ will.
Neuester Stand der Wissenschaft
Unter der Leitung und Moderation des Chefzahnarztes Prim. MR Dr. Josef Bukal standen einen Tag lang verschiedenste Themen der Kinder- und Zahnheilkunde speziell für Kinder im Mittelpunkt.
Die Referenten
Ao. Univ. Prof. Dr. Kurt Alois Ebeleseder, stv. Leiter der Abteilung für Zahnerhaltungskunde der Universitätsklinik für Zahn-, Mund und Kieferheilkunde Graz,
Prim. DDr. Elmar Favero, Chefzahnarzt und ärztlicher Leiter der Ambulatorien für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde der Tiroler Gebietskrankenkasse; Vorsitzender der Kommission „Zahnmedizin-Prophylaxe“ im Obersten Sanitätsrat,
Dr. Sabine Männer, Zahnärztin in der Kinderzahnordination Dr. Meißner und Dr. Bürkle in Salzburg,
Prim. Dr. Michael Merl, Leiter der Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Landes-, Frauen- und Kinderklinik Linz und ärztlicher Leiter im Sonderkrankenhaus Diakonie Zentrum Spattstraße,
Dr. Johannes Mühleder, Oberarzt an der Kinderabteilung im Klinikum Wels-Grieskirchen Pädiatrischer Endokrinologe und Diabetologe,
Themen
Behandlungsmöglichkeiten von Kindern – Von Verhaltensführung über Lachgassedierung bis zur Narkosesanierung
Standards in der Zahntraumatologie bei Kindern
Psychologie – Essstörungen bei Kindern und Jugendlichen erkennen
Pädiatrie – Essstörungen: Übergewicht und Adipositas im Kinder- und Jugendalter
Prophylaxe steigert Zahn-Gesundheitsbewusstsein
Dennoch weisen etwa 20 Prozent der Kinder und Jugendlichen ungefähr 80 Prozent der kariösen Läsionen auf. Diese Hochrisikogruppe bedarf einer individuellen Intensivprophylaxe in der zahnärztlichen Ordination durch ein entsprechend ausgebildetes und geschultes Team. Mit der Frage „Bohren Sie noch oder heilen Sie schon?“ wies der Referent seine Zuhörer auf den absoluten Vorrang der Prävention hin. Dabei spielen auch die familiären Strukturen eine wichtige Rolle. Favero: „Wichtigstes Vorbild sind die Eltern!“
Die Gruppenprophylaxe sei nicht nur die Basis, sondern schaffe das Verständnis für die so elementar notwendige professionelle Mundhygiene in der Praxis. Der Referent als „Erfinder“ des neuen Berufsbildes der Zahn-Gesundheits-Erzieherinnen (ZGE) zeigte die Möglichkeiten und Notwendigkeit der Gruppenprophylaxe in all ihren Facetten auf.
Zahnbehandlung unter Sedierung: Von Verhaltensführung bis zur Narkosesanierung
„Jedes Kind ist ein Individuum und weist auf Grund seines Alters, des familiären Hintergrunds, der Schmerzwahrnehmung und -wertung und natürlich der vorausgegangenen Erfahrungen eine unterschiedliche Compliance auf“, so Männer. Trotzdem kann die Zusammenarbeit durch verschiedene Strategien gesteigert werden. So zum Beispiel durch schrittweises Lernen, Methoden wie „tell-show-do“, Desensibilisierungstechniken und Formen der Hypnose bei Kindern, wie Konfusionstechnik oder Distraktion. Zur Unterstützung dieser Methoden eignet sich die Lachgassedierung, die im Vortrag der Referentinnen vorgestellt wurde. Darüber hinaus kann bei sehr jungen Kindern und Angstpatienten oder einem sehr großen Behandlungsumfang weitere medikamentöse Unterstützung erforderlich werden, wie die Dormicumsedierung oder Intubationsnarkose, die in Kooperation mit einem kindererfahrenen Anästhesieteam erfolgt.
Standards in der Zahntraumatologie bei Kindern
In seinem Vortrag ging der Spezialist auf die wünschenswerten Standards in der Versorgung ein:
- rascher psychologischer Zugang zum verletzten Kind,
- fachkundige röntgenologische und klinische Diagnostik,
- tabellarische Dokumentation,
- minimal invasive Erstversorgung,
- frühe Funktionalität,
- antibakterielles Prozedere,
- individuelle endodontische Entscheidung,
- parodontologische Prognose und Nachsorge,
- ästhetische Therapien und interdisziplinärer Spielraum.
Essstörungen – Erkennen und Handeln
„Durch das häufige Erbrechen bei diesen Erkrankungen können durch die erbrochene Säure Zahnschäden entstehen: Osteoporose, Zahnlockerung, Säureerosion, Demineralisierung, Mangel beziehungsweise abnorme Zusammensetzung des Speichels“, hält Merl fest. In seinem Referat gab er Zahnärzten Tipps zum richtigen Verhalten bei Patienten mit Verdacht auf Essstörung.
Auch der Chefzahnarzt der OÖGKK, Prim. MR Dr. Josef Bukal, stellt fest: „Dem Zahnarzt kommt daher eine wichtige Rolle in der Früherkennung von Essstörungen zu.“
Adipositas und Übergewicht im Kinder- und Jugendalter
Erschreckend dabei ist die frühe Manifestation von Folgekrankheiten wie der Adipositas-Diabetes, dem metabolisches Syndrom, Gallensteinen oder orthopädischen Störungen schon bei 12-Jährigen, hielt Mühleder fest. Vor allem aber leiden die Kinder unter erheblichen Störungen der psychosozialen Entwicklung und der Lebensqualität.
Nur stärker gebaut oder doch zu dick?
Umgelegt auf die Kinderzahnheilkunde besagen diese Erkenntnisse jedoch nicht, dass dickere Kinder schlechtere Zähne hätten. Die Verbindung zu zuckerhältigen Getränken ergibt jedoch die Gefahr von vermehrt kariösen Zähnen in dieser Gruppe: „Diese Getränke machen dick und schlechte Zähne“, so Mühleder. Daraus ergibt sich auch sein Wunsch nach vermehrter Sensibilisierung der Zahnärzte in Bezug auf Essstörungen.
Prävention ist die beste Therapie
Bei diesen Programmen sollten einfache Botschaften möglichst über einen breit angelegten Ansatz vermittelt werden. Unter Einbeziehung der Eltern, der Lehrern, von Schulkantinen, Medien und auch der Freizeitgestaltung ist es das primäre Ziel, den Kindern ein Stück der Unbeschwertheit, Freiheit und Lebensqualität zurückzugeben.
Für alle Referenten stellen deshalb Maßnahmen der Prävention beziehungsweise der Früherkennung die wichtigsten Bedingungen für Zahngesundheit im Kindesalter dar.
